Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 24)
- Language
- German
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4 Der von Friedrich dem Großen geschätzte und durch seinen Reichthum nicht weniger wie durch seine Freigebigkeit gefeierte Daniel Jtzig, der Vater der Fanny von Arnstein und der Cäcilie Eskeles, Frauen, deren Namen noch heute in Wien von gutem Klange sind, unterstützte den jungen Polen reichlich und zog ihn in den Kreis seiner von Gelehrten und Künstlern viel besuchten Familie. Mit einer Tochter seines Wohlthäters, der „sanften Elisabeth", scheint der junge Dichter sogar auf vertrautem Fuße gestanden zu haben; um ihr und ihrer Schwester Lob war es ihm besonders zu thun, und an sie richtete er auch die zierlichen Verse: Ihr Zärtlichen, Kein falscher Blick; Zhr müßt mich seh'n, Ich bin nicht wild, Vielleicht gar schön! Voll Sehnsucht blickt Mein Augenpaar, Und Puder schmückt Mein Lockenhaar! Mein Bart ist glatt Und glätter hat, Ich sag' es kühn, Kein Jüngling ihn. Mein Rock ist grün Und ziemlich schön, Zhr solltet ihn Nur einmal seh'n. Zhr wärt mir hold, Denn ihn schmückt Gold! In der ersten Zeit seines Berliner Aufenthaltes hatte er das Glück, auch Lessing kennen zu lernen. „Ich konnte anfangs wenig mit ihm sprechen," erzählt dieser, „denn er verstand kein Wort Deutsch; da er aber zugleich Lateinisch lernte, so verlangte ich von ihm, mir etwas aus einem deutschen Schriftsteller ins Lateinische zu übersetzen; und siehe, er brachte mir einen ganzen Act aus der Wieland'schen llebersetzung des „Romeo".Freilich war diese Uebersetzung toller als meine Verwunderung, und ich konnte nicht anders, als ich mußte seine Kühnheit mehr für Unkunde als für Genieäußening halten. Aber ich sah mich bald betrogen. Jetzt schreibt er ziemlich gut Deutsch, versteht ein lateinisches und französisches Buch, und ist in der Mathematik, Philosophie und Medicin kein Fremdling. Wenn