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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 3

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 3 (sequence 23)
Language
German
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3 tiefe Unwissenheit versunkenen Nation angehörte! Aber Gold oder nicht Gold, das ist die Frage. Kaum hatte er die blühende Handelsstadt Borussia's betreten, so zeigte ihm der Verlust seines geringen Ersparniffes, daß wandelnd Erz, wie er in dem Gedichte „die Hoffnung" sich ausdrückt, keine Quelle steter Zufriedenheit sei. Er hatte das Unglück, daß ihm ein Stück Sammet gestohlen wurde, worin sein ganzer Reichthum bestand; aus Furcht, wenn er nach Hause ginge, wegen dieses Unglücks verhöhnt und verspottet zu werden, entschloß er sich, nicht dahin zurückzukehren, sondern — aus der Königsberger Universität zu bleiben. Er erhielt auch Zutritt zu einigen Professoren, und lernte die deutsche Sprache aus Wolfs mathematischen Schriften. Nahe daran, ein Raub der Verzweiflung zu werden, in dem ersten besten Flusse seinem jungen Leben ein Ende zu machen, erreichte er endlich, nackt und bloß, der „blühenden Künste Pflanzstadt, Berlin". Hier angekommen galt der erste Besuch, welchen der junge Mann im polnischen Rocke machte, dem Freunde Mendelssohn's und Leffing's, dem als Philosoph und Mathematiker bekannten Israel Zamoes. Dieser sein Landsmann und naher Verwandter lebte in einer der reichsten Judensamilien als Privatgelehrter und war wohl im Stande, dem Dürftigen auszuhelsen. Er nahm sich seiner in der That mit aller Liebe an, und nun begann der zweiundzwanzigjährige Behr mit Eifer den Studien obzuliegen; freilich mußte er, wie er selbst erzählt, in diesem Alter erst lernen, was sonst ein Kind von sechs Zähren schon weiß, das ist deutsch Lesen und Schreiben. Indem er Deutsch lernte, sang er auch deutsche Lieder; sein seltenes Talent lenkte die Aufmerksamkeit Mendelssohns, an den er empfohlen war, und Ramler's aus sich, und sie gaben ihm zu regelmäßigen Studien einige Anleitung. Behr nahm Unterricht in der lateinischen und französischen Sprache und studirte die Arzneikunde.

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