Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 228)
- Language
- German
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204 allein abgiug, so darf man die Vürmuthung aussprechen, daß nicht gar Viele der Reichssprache mächtig seien. Was nun das Ministerium bewogen haben mag, für diese Provinz das Erfordernis der philosophischen Studien zu beseitigen, statt nicht blos für die Zllkunft mit aller Strenge bei der Besetzung jedes erledigten Rabbinats darauf 311 beharren, sondern auch eine Revision der besetzten Posten vornehmen zu lassen, ist den Kennern der Landeszustände kann! begreiflich. Der Besuch eines Untergymnasims, selbst wenn er thatsächlich stattsindet, das Erheben eines Zeugnisses über die Studien, selbst wenn es nach einer förmlichen Prüfung stattsindet, kann unmöglich jene Qualificationen geben, die heute von dem Leiter und Vertreter einer Cultusgemeinde der Staat, die Bürgerschaft, der Familienvater und selbst die Religionsgenossenschaft vorauszusetzen berechtigt sind. Absolvirte Gymnasiasten sind wohl noch keine würdigen Aspiranten für die höchste geistliche Stelle, welche eine Glaubensgenossenschaft zu vergeben hat; sie sind feilte Förderer der Wissenschaft und keine Stütze der Tultur und können eben so wenig zur Hebung des Volksunterrichtes als zur Wiedergewinnung der Autorität beitragen. Wir sehen in der ministeriellen Bestimmung eincit bedauerlichen Rückschritt, der dadurch entstand, daß noch immer bei den unteren wie bei den höchsten Stellen in Angelegenheiten der Israeliten »de nobis sine nobis« verhandelt und beschlossen wird. Die Schuster und Schneider werden zu Enqueten berufen, wenn es sich um einen Zoll für Zwirn und Knopfe handelt, die Juden Oesterreichs haben höchstens hie und da eine einzelne Stimme abgegeben, die dann im Bureau ohne eigentliches Verständniß verhallt. Die gewiß wohlwollende Verfügung des Ministeriums über die Rabbinerschule in Galizien und das Rabbinatwesen gibt neuerdings einen Fingerzeig, daß, um Mißgriffe zu verhüten, die Euttusungelegenheiten von beinahe 5/4 Millionen Seelen einer andern Behandlung bedürfen. Zu Frankreich. Bei der Pariser Kunstausstellung von 1861 nahmen die Künstler, welche der israelitischen Konfession angehören, einen ehrenvolle!: Platz ein. Es wurden unter denselben angeführt: Frl. Emma Block und die HH.: Axenfeld, Brandon, Fichel, Hadamaud, Henri Halsen, Emil Hirsch, Alexander Hirsch, Zacob-