Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 193 (sequence 217)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2609281-2609296--4919-2612268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

193 werden, was Du für einen Vater hast. Jetzt plagst und marterst Du Dich ab, läufst Dir dieFüße wund, um ein Hasenhäutchen auszutreiben und um Gottes willen zu bitten, daß Dir der Bauer sein Biffele Wolle verkauft. Ephraim, mein Sohn, das wird bald aufhören, verlaß Dich draus. . Ich will Dich reich machen, und für Veilchen will ich einen Mann aussuchen, in halb Böhmen sollen alle Mädchen mit Neid auf mein Veilchen sehen, und grün und gelb darüber werden . . Anschels Tochter soll eine Mitgift erhalten.. wie einesRothschild'sTochter. Nur Eines brauche ich dazu, und dann kommt's . . in einer Nacht. .« »Was, Vater?« fragte Ephraim leise schaudernd. »Glück, Glück, Ephraim, mein Sohn,« fuhr es stürmisch aus ihm heraus. »Was ist der Mensch ohne Glück? Stell' Einen,. der kein Glück hat, mitten in ein Faß poll Gold, deck' ihn von oben bis unten mit Gold zu, . . wenn er herauskriecht und Du durchsuchst seine Taschen, so hat er Kupserkreuzer darin.« »Und — wirst Du Glück haben, Vater?« fragte Ephraim unbefangen. »Ephraim, mein Sohn!« sagte der alte Spieler mit einem pfiffigen Lächeln, »ich will Dir etwas sagen. Es gibt Menschen, deren ganzes Thun und Trachten ist nur darauf gerichtet, wie sie sich das Glück zu eigen machen. Wie andere sich daraus verlegen, Doctor zu werden, oder eine Hose zu Stande zu bringen, so studieren Dir diese Leute das, was man Glück nennt. . . Und von denen habe ich es erlernt. .« Er hielt inne, als hätte er fich von seinen eigenen Reden zu weit sortreißen lassen, und blickte dabei dem Sohne forschend in die Augen. Der Ausdruck einer unentweihten Seele, der von Ephraims Antlitz mit voller Reinheit sprach, mochte ihn überzeugen, daß er nicht verstanden ward. »Laß das gut sein!« ries er lustig, mit der Hand durch die Lust fahrend, »was kommen soll, das wird kommen. Das kann Jahrb. f. Jsr. 1862. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.