Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 204)
- Language
- German
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180 »Was hast Du nur, Veilchen!« ries Ephraim verwundert. »Laß mich nur, Ephraim,« rief sie mit leuchtenden Blicken.. »Du sollst sehen, wie ich das Vögele zum Sprechen bringen werde... wenn Du nicht da bist. .« Nur in einem Puncte fand Ephraim seine Schwester ungefügig und widerstrebend — in Bezug auf den abwesenden Vater. Die leiseste Nennung seines Namens machte das ganze Wesen des jungen Mädchens erzittern. Dann kam wieder jenes unheimliche Zucken der Lippen, das für ihn schon in den Tagen der Kindheit erschreckend war, und was Ephraim gesänstigt und gebannt glaubte, brach mit der wilden Heftigkeit eines plötzlichen Gewitters ohne allen Uebergang aus ihr hervor. Es war klar, Veilchen haßte denjenigen, der ihr das Leben gegeben hatte. So war es gekommen, daß Ephraim fast Scheu ttug, des Vaters anders als nur in sich zu gedenken. Nicht einmal von der Mutter sprach er gerne mit Veilchen, selbst die entfernteste Erinnerung stand zu sehr in Verbindung mit der dunklen Gestalt — hinter den fernen Gefängnißmauern. Kehren wir nun zu der Nacht zurück, in der Ephraim seinem Vater das Haus öffnete. Ephraims Herz war zum Zerspringen voll. Tausendmal hatte er in seinen stillen Gedanken die Rückkehr des Vaters durchgedacht — und nun durste er nicht einmal das Licht anzünden, um die Eesichtszüge des Langentfremdeten näher zu betrachten. Still und flüsternd wie er gekommen war, so blieb Anschel den übrigen Theil der Nacht; er hatte sich an das Fenster hingesetzt, und sein Arm lag aus derselben Stelle, wo vor dem der Käfig gestanden hatte. Der Vogel hatte die Freiheit ausgesucht und schlummerte jetzt vielleicht unter dem von Nach.lüften umspielten Laubdache irgend eines grünen Waldes;