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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 181

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 181 (sequence 205)
Language
German
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181 um er, der gleichfalls Freigelassene, schloß kein Auge, und er war doch in sicherer Hut, im Hause seiner Kinder! So war der Tag herangebrochen. Die ersten Strahlen des noch hinter den Bergen weilenden Lichtes färbten sich bereits an den Fensterscheiben. Auf der »Gasse« wurden Tritte hörbar, hie und da öffnete sich knarrend ein Hausthvr, wahrend von der äußersten Ecke her in langsam wiederkehrenden Pausen das Hammerklopfen des Schuldieners bereits erscholl, ein Zeichen des bald beginnenden Gottesdienstes. Denn der heutige Tag war ein Fasttag, der eigentlich mit Sonnenanbruch beginnt. In diesem Augenblicke richtete sich Anschel in die Höhe. Er trat rasch von dem Fenster zurück. Aber schon war Ephraim an seiner Seite. »Schalem Alechem (Friede sei mit Dir), Vater, Vater Leben!« ries er aus der ganzen Fülle seines Gemüthes und haschte nach der Hand seines Vaters. »Mach' keinen Lärm,« sagte dieser, indem er einen scheuen Blick aus das Fenster warf, in demselben unheimlich stüsternden Tone, mit dem er den Eintritt in das Haus begehrt hatte. Wie seltsam stellte sich Anschel seinem Sohne dar, als dieser ihn nun in dem grauen Dämmerlichte des anbrechenden Tages näher beschauen konnte. Ephraim konnte sich ihn in seinem stillen Gedanken nie anders als abgegrämr und abgezehrt vorstellen, und nun sah er einen großen, wohlbeleibten Mann vor sich, der von ganz anderswo herzukommen schien, als aus der feuchten Lust eines Gefängnisses. Dabei schien er größer geworden, breiter und kraftvoller, als er selbst in seinen besten Jahren ausgesehen hatte. »Ist es ihm dort so wohl bekommen . . .?« mußte Ephraim in sich sagen,.. »und wie hat die gute Mutter in ihren letzten Tagen ausgesehen!«

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