Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 153)
- Language
- German
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129 Weil wir so glücklich sind, bei dieserUntersuchung die Geschichte Mt im Bunde zu haben, — weil sie mit als Hauptfactor er- ,,pt, ose Thatsache der Traditon im Judenthume seit einer Reihe von 2500 Jahren zu bezeugen, darum dürfen wirdiese wichtige Bundesgenossin nicht von der Hand weisen! — In der Zeit, wo noch kein Zweifel über die Authenticität des gesammten Inhalts der mosaischen Schriften oder über fortwährende Geltung der pentateuchischen Gebote laut wurde, wo die Skepsis blos hin und wieder an der Ueberlieferungslehre nagte, da mochte es wohl genügen, um die gleiche Wichtigkeit einer tradirten Bestimmnng mit einer mosaischen auszusprechen, erstere als »sinaitisch« hinzustellen. Siehet es aber heute noch so aus, wo man die mosaische Gesetzgebung selbst der Kritik unterwirft und deren Borschristen vernachlässigt? Heutzutage kann die buchstäbliche Auffassung solcher Aussprüche wie der gedachten die Anhänglichkeit an die Tradition wahrlich nicht erhöhen. — Ein klares Eingehen aus die sichtbaren Ursprünge der Tradition wird dagegen ihre Nothwendigkeit, ja ihre Unzertrennlichkeit vom Judenthume um so überzeugender darthun. Die großen jüdischen Denker des Mittelalters verfuhren aus ähnliche Weise; sie nahmen zur Bestätigung mancher Religionswahrheiten die Philosophie in den Bund. Jene einflußreiche Stellung aber, welche damals der transcendentälen Philosophie in Beurtheilung von Religionssätzen eiugeräumt ward, sie ist heute der Geschichtsforschung zugefällen. — Der gläubige Israelit wird und darf allerdings weder durch philosophische noch durch historische Bedenken sich irremachen lassen, irgend ein Religionsgesetz etwa minder zu beachten, oder an dessen Göttlichkeit zu zweifeln; er wird aber nichtsdestoweniger, da das Judenthum eine Religion der Erkenntniß ist, darüber belehrt sein wollen, wie weit seine Ileberzeugung auch wissenschaftlich nachgewiesen werden könne. — Der religiöse Forscher wird daher von vorn herein von jener früheren Periode abse- Zehrb. f. Sät 1862. 9