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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 112

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 112 (sequence 136)
Language
German
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112 undzwanzig Jahre und wurde sein fünsundzwanzigjähriges Lehramtsjubiläum in diesem Jahre festlich begangen. Obgleich mehrere Male von Krankheiten heimgesucht, war er doch bis wenige Tage vor seinem Tode von ungeschmälerter Geisteskraft, wirksam in Amt und Literatur, so daß sein Tod überraschend kan: und einen um so tieferen schmerzlichen Eindruck überallhin machte. Seine Ehe war kinderlos geblieben, und ward ihm seine Frau vor Jahren durch den Tod entrissen. Um so mehr wandte er seine Liebe in thätiger Weise seinen Verwandten zu und fand eine besondere Befriedigung in der Gründung eines Waisenmädchensinstitutes, das er mit Hilfe edelherziger Frauen aus kleinem Umfange zu immer erweiterten Leistungen führte. Vor Allem aber ist er uns als Schriftsteller von höchstem Werthe. Er war es, der in das Ehaos der Geschichte des Judenthums und der Juden zuerst Licht brachte und durch eine Reihe der bedeutendsten Geschichtswerke sich ein unsterbliches Verdienst erwarb. Die Uebersetzung der Mischbah ins Deutsche, die Herausgabe der »Israelitischen Annalen« und der hebräischen Zeitschrift »Zion«, sowie eine enorme Masse Aufsätze und Kritiken bezeichnen ferner seine Thätigkeit auf jüdischem Gebiete. Nicht minder erfolgreich verfaßte er eine ausführliche englische Grammatik, ein Lexicon zu Shakespeares Dramen, ein Lehrbuch des deutschen Styls, eine Uebersetzung der sämmtlichen Werke Friedrich des Großen u. m. Was ihn aber besonders auszeichnete, das war sein Eharacter, durch welchen er, insonders in der jüdischen Gelehrtenwelt, als leuchtendes Vorbild dienen mag. Fern von aller Parteigängerei, immer mit dem Blicke auf das Allgemeine, ohne Rechthaberei und Kleinlichkeit jedes Verdienst, wo er es fand, freudig würdigend, jeder Arroganz bar, gemüthlich, humoristisch, liebenswürdig, human, Beleidigungen bald vergessend und stets zur Versöhnung geneigt, immer ruhig und gemäßigt, konnte man ihn als Weisen bewundern, wenn man ihm schon als Lehrer, Gelehrten und Schriftsteller Gerechtigkeit hatte widerfahren lassen. Sein Begräbniß war ein sehr feierliches unter der allgemeinsten Betheiligung. An seinem Grabe sprachen die Rabbiner Stein und der Leiter der Schule, Dr. Stern. Orden wurden ihm nicht nachgetragen, Diplome, wenn nicht von einigen gelehrten Körperschaften, yinterläßt er nicht, marmorne Denksäulen werden ihm nicht gesetzt werden — aber seine Werke sprechen lauter, als diese, die jüdische Wissenschaft wird stets

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