Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 135)
- Language
- German
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111 Leben durch zahllose Liebeswerke, beim Scheiden aus demselben durch milde Stiftungen bewährte. Musterhaft als Familienvater beschäftigte er sich mit der Erziehung seiner Kinder bis in die kleinsten Details, und es tragen die Hinterbliebenen den väterlichen Namen mit Ehren. Er war aber zugleich Weltmann und nahm an allen geistigen Bestrebungen der Zeit regen Äntheil. Bei der großartigen Leichenfeier, welche die Stadt dem würdigen Mitbürger veranstaltete, waren alle Confeffionen, alle Stände glänzend vertreten. Zwei verstorbenen Männern von hervorragendem Rufe widmen wir hier ausführlichere Neerologe: Jost, dem Geschichtschreiber der Juden, und Wilhelm Wertheim, Professor der Physik zu Paris. lieber Dr. I. M. Jost lassen wir wohl am besten Dr. Philippson, der dem Verewigten näher gestanden, sprechen. Derselbe sagt in stillem Volksblatt: Dr. I. M. Jost. Unter den bedeutenden Verlusten, welche jüngst unsere Glaubeusgenossenschnst erlitten, ist einer der empfindlichsten der am 20. November nach achttägigem Krankenlager verstorbene Dr. I. M. Jost in Frankfurt a. M. Geboren im Februar 1793 zu Vernburg in Anhalt, verbrachte er seine Kindheit in Dürftigkeit und in einem schlechtbestellten Gedar, und diente seinem erblindeten Vater als Führer. Nach dem Tode desselben kam er 1803 in die Samson'sche Stiftung in Wolfenbüttel, welche damals nicht minder in sehr erbärmlichem Zustande war, aus welchem sie durch die Umgestaltung, die ihr der verstorbene Jnspector Ehrenberg unter einem umsichtigen Guratorium zu geben verstand, gerettet ward. Von hier kam der fähige und unermüdliche Jost 1810 nach Braunschweig, woselbst er die oberen Glassen des Gymnasiums besuchte, studierte 1813 in Göttingen, 1814 in Berlin, wo er später eine höhere Bürgerschule und ein Pensionat gründete, die er 1836 dem vr. Stern überließ, indem er einem Rufe als Lehrer an den höheren Glassen der israelitischen Realschule in Frankfurt a. M. folgte. Hier wirkte er fünf-