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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 87

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 87 (sequence 111)
Language
German
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87 Die Gesetzgebungen späterer Zeit und anderer Völker haben, um mannigfache Zwecke dadurch zu erreichen, Freiheitsstrafen eingesiihrt und diese finden sich jetzt bei allen civilifirten Völkern. Juristen, Philanthropen, Psychologen haben wiederholt das Gefangen- und Gesängnißwesen zum Gegenstände ihres Studiums gemacht und die Literatur über diesen Gegenstand ist außer den dickleibigen Gesetz- und Rechtsbiichern eine sehr bedeutende. Es sei mir gestattet einige Erfahrungen, welche ich bei jüdischen Sttäflingen in meiner Amtspraxis machte, mitzutheilen und Zahlen über die jüdischen Sträflinge in Oesterreich beizubringen, welche Veranlassung zu weiteren Bemerkungen bieten sollen. Der gefangene Schmetterling ist kein Schmetterling und eben so wenig ist der gefangene Mensch ein Mensch im eigentlichsten Sinne des Wortes. Die unzähligen Bande, welche den Menschen mit seinen Verwandten, Freunden, Bekannten verbinden, werden plötzlich bei der Haftnahme durchschnitten und der Gefangene blutet geistig aus tausend Wunden. Der Trieb der Selbsterhaltung sucht nun so viel als möglich die Heilung dieser Wunden herbeizuführen. Vergangenheit und Zukunft treten als Vermittler auf. Es gibt selten einen Verbrecher und insbesondere der zum ersten Male Sträfling ist, der nicht ans sein Vorleben gewissermaßen mit Beruhigung sieht und müßte er auch in die früheste Zeit der Jugend zurückgreifen. Jeder weiß unzählige Gründe vorzubringen, die ihn, trotz der Vernrtheilung des Gerichtes, entschuldigen oder gar vertheidigen. Manche fühlen sich als »gekränkte Unschuld«, und sind diese öfters diejenigen, welche eben von einigen besseren Gefühlen beseelt find und denen es tief wehe thut für Verbrecher gehalten zu werden, da nur ein übereilter Schritt, eine falsche Anschauung der Dinge das Unglück über fie gebracht. Dieses Ehrgefühl, wenn es nicht während der Haftzeit getödtet wird, trägt dazu bei wirklich zu bessern. Andere wieder verkennen nicht das Unrecht als solches, aber

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