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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. [Seite]

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 110)
Language
German
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Juden in österreichischen Strafanstalten. Von G. Wolf. Das mosaische Gesetz verhängt nicht Freiheitsstrafen. Es kommen wohl Fälle vor, daß Personen, welche eines Verbrechens angeklagt sind, in Gewahrsam gebracht werden; doch ist diese Kerkerhaft nicht die Strafe für das begangene Verbrechen, sondern sic hat blvs Raum während der Untersuchung, bevor das Verbrechen als solches anerkannt und die Strafe für dasselbe bestimmt ist. Allerdings kennt das mosaische Gesetz auch die Strafe der Znternirung, wie diese überhaupt bei den alten Völkern bekannt war, und zwar wird dieselbe über denjenigen verhängt, welcher ohne Vorwissen eine Mordthat begeht. Auch aus politischen Gründen fanden in späterer Zeit Jnternirungen statt. So wurde der Priester Ebiathar unter Salomo nach Anathol verbannt. Das mosaische Gesetz erkennt die Freiheit des Menschen als das höchste Gut an, welches die eigentliche Würde desselben ausmacht, und will sie daher in keiner Weise verletzt wissen. Auch das talmudische Gesetz kennt nicht die Freiheitsstrafen. Es kommt wohl eine Verhandlung über einen Gefangenen vor (Tract. Synhedrin), dem in schlechter Qualität und in großer Quantität Speisen gereicht werden sollen, damit er sterbe. In dem gegebenen Falle ist es jedoch die Absicht des Gerichtes, den Verbrecher hinrichten zu lassen; und Gefängnißstrafe verbunden mit schlechter Kost sind eben da als eine Gattung von Todesstrafe zu betrachten.

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