Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 108)
- Language
- German
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84 Naturen; es gibt Nachtfalter, die just in Feuer und Flammen mit Gier hineinflattern, worin sie gar jämmerlich verkommen. Wir aber rufen den Leitern und Führern Israels, wie die Zünger einst dem Propheten Elisa zu: »Gift ist im Kessel, o Gottesmann!« VH. Wissen ist Macht. Dieser Satz ist in neuester Zeit bei uns salonfähig geworden, ob er gleich schon uralt zu sein scheint. Denn hätte man das Wissen nicht früher schon für eine Macht gehalten, woher die vielen Maßregelungen und Befehlshabereien. die Unzahl von Schulschöppen, die die Uebermacht der Schule beschränken? Auf den Ohnmächtigen ist man nicht eifersüchtig! Alles will in der Schule eine Enklave besitzen, jeder eine eigene Etappenstraße darin haben, bis sich die Bahnen unentwirrbar verschlingen. Staat, Kirche, Gemeinde, Wissenschaft — Alles dominirt die Schule und maßregelt sie zur Regellosigkeit. Die Schule untersteht allen Ministerien, Consistorien, Laien- und Priesterämtern, hohen und niederen Behörden; in der Schule will der Philosoph, Theologe, bei den Juden aus dem flachen Lande sogar der Bader und Feldscherer das Wort haben. Jeder will dominiren, decretiren, controlliren — denn Wissen ist Macht! Ich wünschte man hätte im Wissen nie eine Macht erkannt. Unterdessen ist der Satz nicht einmal richtig, denn Wissen ist keine Macht, sondern Können ist die Macht, und in der Verwechselung dieser beiden liegt ein Gift, woran unsere Mittel-, namentlich Realschulen verkommen. Können ist die Fertigkeit im Denken und Handeln, und diese ist durch die Naturgabe des Einzelnen begrenzt, wird an einigen einfachen Unterrichtsstoffen herangezogen und geübt. Das Wissen ist dagegen so vielfältig und mannigfach, als die Materien es sind, woran menschliches Können sich seit Jahrhunderten geübt hat. Wer daher nach bloßem Wissen handelt, der weiß nicht,