Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 78 (sequence 102)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-2609296--4804-2612153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 haben unstreitig die Hauslehrer sehr viel dazu beigetrageu, daß die Neugestaltung zum Besseren und Edleren, die das Judenthum seit Mendelssohn erfahren, Eingang in die Familien gefunden hat. Aber hiermit haben wir auch die Grenzen der Wirksamkeit für Hauslehrer angegeben. Denn in der Jsolirtheit kann man gute, edle Menschen, selbst tiefe Denker, aber keine starken Charactere erziehen. Schwer ift’ä ferner öffentlich zu verwirklichen, was man vereinsamt und abgesondert erlernt, nicht zti gedenken, was man an Anregung, an Welt- und Menschenkenntnis wie an Gewandtheit verliert. Also in Summa: Wo sich Abnormitäten des Geistes und Herzens, als Mangel oder als Ueberfluß bei einem Kinde finden, da ist der Privatunterricht dringend angezeigt, eben so wo es sich um Erziehung für einen bestimmten gesellschastlichen Drang handelt, wie denn in der That da, wo das Hauslehrerwesen blüher, auf Reichthum, Opulenz, Exclusivstände, distinguirte Familien — oder bei Juden auf Hof- und Ausnahmsjuden — geschlossen werden kam. Denn das Fußgehen ist einmal dem reichen, behaglichen, geschästslvsen Spaziergänger oder dem, der an Stockung der Säfte leidet, bestens anzuempfehlen. Die öffentliche Schule. Da die große Masse eben nicht geldreich ist, und die Mehrzahl zur Regel und nicht zur Ausnahme gehört; da die Wahrscheinlichkeit Einen tüchtigen Lehrer für 100 gemeinsam unterrichtete Kinder genau hundertmal so groß ist als die, eine solche Anzahl von Lehrern für eben so viele Kinder verschiedener Familien zu finden; so gelangte man sehr früh zur Errichtung öffentlicher Schulen. Fragen wir einmal: Wer ist die Schule? Da wird es hunderte von Menschen geben, die recht klug zu antworten vermeinen, wenn sie jedenfalls nicht die hölzernen Bänke, noch die Stube, worin sie stehen, noch die Jungen, die darauf fitzen, für die Schule ausgeben. Wie Ludwig XIV. behauptete: Der Staat bin ich, so behaupten Ober- und Unterlehrer, Directoren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.