Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 103)
- Language
- German
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79 und dirigirende Lehrer (sehr subtile Liielunterscheidungen der Neuzeit), eben so der Schulrath, Gemeinderäthe und noch eine Menge andere Näthe, jeder von sich, er sei die Schule. In Wahrheit aber sind's eben die Schüler sammt dem hölzernen und gemauerten Apparat zur Förderung ihrer Gemeinschaft, die das eigentliche, bildende, veredelnde Moment der Schule ausmachen. Lehrer wechseln, Directoren scheiden, Erzieher kann man in's Haus nehmen, und die Schulvorstände gar in ihren eigenen Häusern belassen, ohne daß man einen beträchtlichen Mangel verspüren dürste. Aber unersetzlich ist der Segen der Gemeinschaft, das Bewußtsein zu einem Ganzen zu gehören, und ewig 'unversiegbare Quelle der Bildung ist die Gesellschaft. In Gegenseitigkeit und Beziehung wurzeln Recht und Lugend, und die Summe aller Bildung ist die Verträglichkeit, d. i. nicht passive Duldsamkeit, sondern höchste gesellschaftliche Fertigkeit. Anstelligkeit, Sieg über Selbstsucht und Egoismus. Allein die Gemeinschaft bildet nicht, weil sie eine Menge, sondern weil sie ein Organismus ist. Das Blatt, vom Baume gerissen, welkt, und läge es auch zu Haufen mit anderem Laube; am Baume dagegen grünt es und füllt sich, empfängt Leben, weil es Leben gibt. Ein Tropfen wird darum nicht größer, weil er ins Meer gefallen, ein Sandkorn nicht mächtiger, weil es auf dem Berge liegt. Das Bewußtsein, dem Ganzen anzugehören, erhebt nur da, wo man auch selber dem Ganzen was ist, aber sich ins Ganze aufgegangen und verschwunden zu fühlen, demüthigt und erdrückt. Wenn also die öffentlichen Schulen überfüllt sind, daß der Schüler nur einen Platz, aber keine Stellung darin hat, da wird sie Dutzendmenschen für das Alltagsleben, aber keine Eigenthümlichkeiten heranbilden. Wo die Maffenschule blühet, da gibt es eine schwere Menge armer Leute, viele Philister, wenig Parteiinteresse, Mangel an selbständigem Urtheile, oft auch an Thatkrast, — da spintisirt man, raisonirt man gut, um alles gehen zu lassen, wie bisher.