Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-2609296--4795-2612144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 »doch." Ein Urgesetz liegt tausenden von Gestalten zu Grunde, und doch ist jede gesondert in sich, jede geartet in sich, jede selbstständig und unabhängig. —Das ist die göttliche Einheit Eines wie die Seele, der hundert Glieder, jedes in eigener Weise, dienen, wie tausend Wege zu der einen Wahrheit, tausend Pforten in den einen Himmel führen. Die Uniform aber ist — Gift im Kessel. IV. Bon den Schulpässen. Ein bei weitem ätzenderes Gift, das sich aus dem Urgifte der Uniformirung erzeugt hat, sind die Prüfungen, wie sie hier zu Lande nicht geboten (wie manche glauben), sondern gestattet sind, und aus welche jüdische Eltern gar so lüstern sind. Damit wir aber nicht mißverstanden werden, thut es Roth, den Gegenstand unserer Warnung von seinen Namensvettern zu unterscheiden. Denn Prüfen ist eine große, heilige Handlung, die wahre, die einzige des Lehrers, die ihn Gott ähnlich macht. Auch Gott prüft Welt und Menschen, Herz und Nieren, prüft seine Lieblinge insbesondere, wie er Abraham und andere seiner Frommen geprüft. Prüfen, oder wie es das Fremdwort: Examiniren deutlicher sagt, ist ein Heraustreiben, Aufjagen, schlummernde Kräfte aus ihrer Unbestimmtheit und Verschwommenheit zur Selbstklärung und Bestimmung hervorlocken, durch Fragen zur Krastäußcrnng heraussordern und in die Schranken rufen. Das ist eben der Triumph unserer sortgeschrittenen Unterrichtskunst, daß wir nicht mehr das Wissen wie Wasser in versumpfte Brunnen hineingießen, sondern eben aus dem Brunnen schöpfen, um diesen saugesähig zu machen. Zn diesem Sinne prüft uns auch Gott, und ist das ganze Leben eine Prüfung, eine Frage, die Gott an uns stellt, daß unsere Kraft sich daran entwickele. Hieraus erkennt man schon, welchen Werth die ossiciellen Spectakel der Schau- und Paradeprüfugen mit obligatem Gepränge beanspruchen können. Es sind die pädagogischen Kunstausstellungen, wie man