Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 94)
- Language
- German
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Industrie - Ackerbau - Ausstellungen hat. — Allein Prüfen ist Leben und Athmen der Schule, und es ist immer etwas komisch , ein Paradeathmen und eine Lebensausstellung abzuhalten. Indessen epaminirt man dabei nicht eigentlich, und zeigt nur, daß man das Jahr hindurch wacker examinirt habe, wie man bei gewissen anderen Ausstellungen nicht erst das Kalb vor dem Publicum mästet und zusehends fett macht, — was doch nicht anginge, da das Fettwerden nicht so handgreiflich in Erscheinung tritt, — sondern blos zeigt, wie fett es eben schon geworden sei. Schlimm ist's dann freilich, wenn man, um durchaus einen großen Umfang als Beweis der guten Mast zu erzielen, etwas zwischen Haut und Knochen anbringt, das sich wie Fett nur anfühlt, oder gar Geschwülste emportreibt, und das Publicum dann ein geschwollenes Kalb für ein recht fettes hält. Aber all das mag noch hingehen, zudem sich nicht läugnen läßt, daß die Borbereitung wie das Fest selber die Lehrer bessert, die Schüler ermuntert, und diese ihren Zusammenhang mit der bürgerlichen Gesellschaft vorempsinden läßt. Dagegen ein zerfressendes Gift sind die Zwangsprüfungen, ein ausschließlich vaterländisches Product, das selbst in Oesterreich nirgends mehr so liebevoll gehegt und gepflegt wird, als in dem engen Kreise, dem wir diese Betrachtungen hier anheimgeben. Es wird nicht überflüssig sein, daß wir uns eingehender darüber erklären: DieZwangsprüsung ist dasKind sehr trübseliger Zustände srühererJährhunderte. Mißtrauen, Bevormundungssucht war ihre Sonne, die oben beschriebene Gleichmacherei war ihr Nachtquartier. Zu den Zeiten Maria Lhrresiens und des unsterblichen Josefs ü., als man der großen Masse die Schulbildung wie Brei den kleinen Kindern erst ausnothigen mußte, sah man sich zu einem Schulzwange berechtigt. Ob ein solches Recht begründet sei, haben wir hier nicht zu untersuchen; es war einmal landesväterliche Ansicht und — wir verkennen es nicht — auch wahrhaft väterliche Absicht dabei. Allein