Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 92)
- Language
- German
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naturkräftige Individualität, die wieder des Schülers gesunde Eigenthümlichkeit und Selbstheit bildet. Wo aber nichts aus dem Lehrer herauswächst, und alleThätigkeit nur laut Instruction ist, da sinkt er zur Maschine herab, und Alles läuft auf leere Form aus. Ja selbst der Mißbrauch, der sich bei freigegebener Methode hie und da Herausstellen sollte, wird nicht so schädlich sein als derjenige, den gehirnlose Leute von vorgeschriebenem Mechanismus machen. Denkfaulheit ist schlimmer als selbstgesundener Jrrthum und freier Mißgriff, undtausendmal nützlicherist einfreier Gedanke, als hundert knechtische Verrichtungen. Wir wollen schweigen davon, welche Lehrer die Uniformirung erzogen hat, wie diese ihren eigenen Geschöpfen auf allen Blättern ihrer Schulversaffung das glänzendste Mißtrauen kundgibt; wir wollen es nur kurz erwähnen, wie die Schüler, nicht vom Geiste des Augenblickes, »ichtvonderJndividualitätdes Lehrers, sondern von der Worherbcstimmung des Fatums hoch oben geleitet, auch keine andere Beziehung zur Schule kennen lernen, als die — Maßregel. Sie werden nicht erzogen, sondern wie Bleifiguren in gleichem Guß und Model ausgefertigt. Wenn mm gesunde Naturen sich gegen das Ausdrillen sträuben, wenn normale Organismen bald wieder alles ausscheiden, was ihnen nicht gesunde Nahrung ist; so muß man sich nicht wundern, wenn unsere Schulen nicht einmal gute Schreiber und und Leser ausdreffiren, da doch, Gott sei Dank, das Gesunde die Regel, das Krankhafte die Ausnahme ist. Mögen jüdische Vorstände sich den Spruch des Talmuds merken: Das zeichne Gottes Werke vor anderen aus: »Du drückst Sie- »gel und Petschaft dem weichenThone ein, und tausend und aber tau- »sendmal wird ein Abdruck dem andern gleichen. Gott aber ließ alle »Menschen von Einem Urpaare entstehen, und siehe, wie verschie- »den an Farbe, Gliederbau, Gesichtszug, Ton, Rede, Blick und »Gang. Keiner gleicht dem andern, und alle gleichen dem Einen