Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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67 und Tritt; statt ein gemeinsames Ziel aufzustellen, wird selbst der Weg dahin vorgezeichnet. Da gibt es nun privilegirte Kindersibelchen, octrohirte Lesebüchelchen, ausschließlich befugte Rechentäselchen, um zuerst alle Lehrer des Landes an derselben Leine zu halten. Dann wird eine allein selig machende Methode proclamirt, die jeden Gang und Schritt, jede Bewegung des Lehrers vormodelt. Und wenn nun alle wie die Gäule aufgezäumt find, und der große tausendrädrige Karren sich dann ans den ersten Peitschenknall in Bewegung setzt, wenn alle Lehrer in dem weiten Reiche Punct so und so viel Uhr sich nach diesem oder jenem Paragraphen räuspern, und dann wieder einen Witz laut Instruction machen, — so wird die Einheit unserer Schulen gepriesen, und man weiß sich groß mit der so schön erzielten Conformität. Nichts ist natürlicher, als daß die kleinen Besehlshaberchen sich die großen zum Muster in der Regierung nehmen, und da es so süß ist, decretiren zu können; so patentiren selbst Gemeinden Unterrichtsprogramme, geben stereotype Methoden aus, und nöthigen solche einer ganzen Lehrerschaft ihres Gebietes auf. Man wird daher begreiflich finden, daß wir hier vor dem Gifte solcher Einheit warnen, das alle freie Thätigkeit, alles kräftige Streben tödten muß. Methode und Lehrbücher müssen frei sein! Denn erstlich kann eine Lehrmethode nicht als Dogma, nicht als Verhängnis hingestellt werden, weil ihr Princip Entwicklung, Strömung, Bewegung, also gerade das Gcgentheil von Begrenzung, Feststellung ist. Ferner gibt es gar keine Universalmethode, so wenig als es eine Panacee oder ein universelles Heilmittel gibt, und jeder Arzt hat erst von Fall zu Fall am Krankenbette zu entscheiden , wie er die Grundsätze seiner Kunst zur Anwendung bringen will. Drittens ist es dem scharfsinnigsten Kopse nicht möglich, alle Fälle auszudenken, und Paragraphe dafür zu ersinnen, und in der Erziehung läßt sich am wenigsten alles auf Zoll und Linie, auf Vers und Wort vorausbestimmen. Endlich aber ist das Beste am Lehrer, wie an jedem Menschen sein Selbst, die