Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 90)
- Language
- German
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66 Übersetzen wir uns das aus dem Historischen ins Jüdisch-Pädagogische und sagen wir geradezu: Es ist ein leidiger Trost, wenn wir von unsern Schulen rühmen, sie seien nicht schlechter oder auch so gut als die andern. Wir Juden brauchen tüchngere Kräfte, wir müssen größere Maßstäbe an unsere Schulen legen. Das ist keine Behauptung der Arroganz, sondern umgekehrt des bescheidenen Bewußtseins von unsererGeringzähligkeit, keine Forderung des jüdischen . Eigendünkels, sondern der jüdischen Demuth, keine Sucht nach Absonderung, sondern das Streben, dem Ganzen und Allgeineinen durch inneren Werth gleich und ebenbürtig zu werden. III. Einheit und Uniform. Wir Juden, als die Träger der Lehre vom einigen Gotte, sind gewiß die Letzten, die den Werth der Einheit verkennen. Das Streben darnach ist der menschlichen Natur eingeboren, darin wurzelt unsere Lust an Ebenmaß und Harmonie, darin der Trieb nach Ordnung, System und endlich auch die Weisheit des Regierens, die von Einem Mittelpnncte aus Kräfte in Bewegung setzt, und nach Prim cipien beherrscht. In gleichem Sinne muß es eine Einheit der Schulen in einem Reiche geben. Von oben herab kommen große und kräftige Principien, allgemeine Grundsätze, gesunde Ansichten, leitende Ideen, die den gemeinsamen, einenden Mittelpunct für alle Schulthätigkeit abgeben. Indessen ist vom Erhabenen zum Lächerlichen oft nur ein Schritt, und der ist leider bald gethan, sobald man Eintönigkeit für Harmonie, todtende Uniformsrung und langweilige Gleichmäßigkeit für belebende Einheit setzt, und das ist ein Grundübel, woran unsere Schulen leiden. Aus Fürsorge, die vielleicht in früherenJahrhunderte» am Platze war, gab man von oben herab statt Principien Detailgesetze und statt leitender Ideen Dienstinstructivnen für Schritt