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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 54

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 54 (sequence 78)
Language
German
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54 beständigen Umgang des jüdischen Philosophen in früheren Jahren so sehnlichst wünschte, nun kalt an ihm vorüberging! »Ich habe Moses Mendelssohn kennen lernen,« schreibt er im Juli 1774 seinem Freunde Lavater, »der klarste, heiterste Kopf, den ich beinahe aus einem menschlichen Rumpfe gesehen, stark ausgeprägt für sich. Ich aber habe verschiedener Ursachen wegen wenig oder keine Puncte der Anhänglichkeit an ihn gefunden, halte ihn aber in sich für sehr glücklich, obgleich, wie es mir scheint, künstlich aus einem ich weiß nicht wie selbstgemachten Bollwerk.« Sie sprachen sich einige Male, näherten sich aber einander nicht. Herder war in seinem Innern mit vielen anderen Dingen beschäftigt und so verstimmt, daß er Alles durch eine trübe, dicke Wolke sah. Mehr als der Bruch mit Nicolai, dem langjährigen Freunde Lessing's und Mendelssohn's, mag ihn seine häusliche Lage abgehalten haben, ein näheres Berhältuiß mit letzterem anzuknüpfen. Die Stelle, welche er als Nachfolger Abbt's bei dem Grasen von Schaumburg-Lippe bekleidete, behagte ihm nicht, er wollte sie je früher, desto lieber ausgeben, Bückeburg, »diese Wüste,« mit jedem anderen Orte vertauschen, nirgends eröffneten sich ihm günstige Aussichten. Hierzu kam noch, daß sein Fürst großes Aufsehen von dem »kleinen Berliner Juden« machte, ihn wie ein Kind hegte und pflegte, welches Herder nicht ohne Neid und Scheelsucht bemerkte. »Mendelssohn ist jetzt das Idol meines Fürsten, und von ihm als der weiseste und beste Mensch geliebt,« schreibt er seinem Freunde Hamann nach der Rückkehr aus dem Bade. ") Der bescheidene Mendelssohn ließ Herder seines Weges ziehen und machte seinerseits keine Versuche, befreundet mit ihm zu werden; er meinte, Herder, der Theologe, scheue Mendelssohn, den Inden. »Ich glaubte in allen Ihren Blicken damals die Bitte zu lesen: Lieber Mann, ich Düntzer und von Herder. Aus Herder's Nachlaß, II, 113. I7J Hamann's Schriften (in der Roth'schcn Ausgabe), V, 107.

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