Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 44)
- Language
- German
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20 zahlreichen Juden, die sich in Ober- und Unterfranken damit beschäftigen, von Wichtigkeit ist. Leider treibt auch im Herzen von Deutschland, in Baiern, der zelvtische Obscurantismus sein Unwesen, und was aus Franken und Schwaben hierüber berichtet wird, muß mit tiefem Bedauern erfüllen. Daß aber die Lücke durchgebildeter Rabbiner und tüchtiger Lehrer nicht einmal empfunden wird, geht daraus hervor, daß Baiern, das nächst Oesterreich und Preußen die stärkste jüdische Bevölkerung, in Deutschland, nämlich über 50,000 Seelen zählt, auch nicht Einen Hörer zum Breslauer Rabbiner- und Lehrerseminar stellte. Und doch gibt es in ganz Süddeutschland kein jüdisch-theologisches Seminar. Obgleich den Juden Würtembergs nur wenig zur vollständigen Emancipation fehlt, so hat dennoch die jetzige Bewegung die Gemüther ergriffen, und gemeinsame Schritte hervorgerufcn, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Gegen 300 Notabeln aus allen Gauen Würtembergs kamen zu Anfang des Jahres in Eßlingen zusammen. Der Rechtsconsulent Lebrecht in Ulm gab den ersten Anstoß durch Herausgabe einer Broschüre: »Die rechtliche Stellung der Juden in Würtemberg.« Er drang daraus, daß nicht nur an die Regierung eine Adresse gerichtet, sondern daß auch die Volksvertretung in einer energischen Petition gemahnt werde, den Juden Würtembergs gerecht zu werden. Ein Co mite zur Einleitung weiterer Schritte wurde aus folgenden jüdischen Notabeln gebildet: Dem Oberjustizprocurator Heß, dem Rechtsconsulenten Heiden, Kaulla, Lebrecht, Nördlingen, Dr. med. Einstein, Dr. Ad. Levi, Rabb. Wassermann, Buchhändler Heß, Uhrmacher S. Levi, den Kaufleuren E. Gutmann, Heule, Isar, Rothschild und Steiner. Außerdem wirkten im Stillen die in ihrer socialen Stellung in Stuttgart hervorragenden Brüder Hvsrath Ru- Lolph Kaulla und I)r. Leopold Kaulla, so wie Collegiumassessor Isidor Jordan. Bevor aber noch die verabredete Eingabe überreicht wurde, Trachte (am 4. März 186!) der Vorstand des Cultusministeriums,