Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 43)
- Language
- German
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19 sei, daß es von unten und oben für ungerecht gehalten und nur mit Widerwillen vollzogen werde. Ein Antrag wurde gestellt, den 8- 13 des Edicts dahin abzuändern: Die Ansässigmachung der Juden über die bisherige Zahl an Orten, wo bisher noch keine gewesen sind, wird von allerhöchster Stelle nicht verweigert, wenn die Gemeinde die Ausnahme bewilligt hat. Bei der hierauf gestellten Frage des Präsidenten, ob jemand diesen Antrag unterstütze, erhob sich auch nicht eine einzige Stimme dafür. Auch in der Kammer der Reichsräthe siel das gedachte Amendement des zweiten Präsidenten Seinshenn, den Gemeinden ein Veto für die Niederlassung von Juden zuzugestehen, durch. Und hier war es der Präsident des evangelischen Oberconsistoriums, der Erzbischof von Freising und der Bischof von Augsburg, welche sich unter ehrenden Aeußerungen zu Gunsten derJuden gegen jede Beeinträchtigung des vorgeschlagenen Gesetzes aussprachen. — Rücksichtlich der Aemterfähigkeit der Juden erklärte der Staatsminister, daß ihm eine Gesetzesbestimmung nicht bekannt sei, welche im Allgemeinen die Juden vom Staatsdienste ausschließe, llebrigens sei die Frage gerade im gegenwärtigen Augenblicke Gegenstand des Meinungsaustausches zwischen den verschiedenen Mnistern. Die bessere Disposition in den Regierungskreisen kann sich übrigens ans die den exclusiven Tendenzen sehr abholde Volksstimmung stützen, und auch in Baiern gelang es den Juden, sich größere Sympathien zu erwerben, wie denn auch Städte, die früher die Aufnahme von Juden beanständet hatten, wie Erlangen und Nürnberg, denselben nunmehr keine Hindernisse in den Weg legten. Die übergroße Majorität, die sich in Erlangen bei den: ersten Aufnahmsgesuche eines Juden darlegte (25 Stimmen gegen 2 Stimmen), zeigt auch hier, daß man sich mit dem betreffenden Ansuchen nicht allzufrüh hervorgewagt hatte. Zu Ansbach haben die Stadtverordneten den jüdischen Advocaten Dr. Berlyn zu ihrem Vorstande erwählt. Von Seite der Regierung wurden den Juden Erleichterungen im Viehhandel zugestanden, was für die 2 *