Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 45)
- Language
- German
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Staatsrath von Rümelin einen Gesetzentwurf in die Kammer, wonach die staatsbürgerlichen Rechte von dem religiösen Bekenntniß unabhängig erklärt werden sollen. Es steht nun zu erwarten, ob dieser Anttag mit der erforderlichen Majorität von zwei Dritttheilen durchgehen werde. Was wir hierbei noch besonders zu rühmen finden, das ist der Geist der Eintracht und Duldsamkeit, welcher fich bei den Israeliten Würtembergs kund gab. Bei der in Eßlingen abgehaltenen Versammlung hielten die Einen ihr koscheres Mittagsmahl im dortigen jüdischen Waisenhause, die andern logirten im Hotel. Das hinderte beide Theile nicht, sich wie zur mannhaften That, auch zum festlichen Toaste zu vereinen. Zeder ließ den Andern nach seiner Faxon selig werden. Die Familie Kaulla hat zwei Stipendien, jedes zu 250 fl., für Studierende der jüdischen Theologie gewidmet, und Hr. T. I. Kaulla dem israelitischen Confistorium seine kostbare orientalische Bibliothek zum Geschenke gemacht. Die neue Synagoge zu Stuttgart wurde am 3. Mai in sehr feierlicher Weise eingeweiht. Der Erbauer Albert Goldeusten hat sich damit einen dauernden Ruf begründet. Früher noch als in Nürnberg erfolgten im Großherzogthume Baden Anträge zur Aufhebung der noch namentlich in Bezug auf die Freizügigkeit im Lande bestehenden Rechtsbeschränkungen, und konnten wir bereits im vorjährigen Berichte davon Erwähnung machen. Der Erfolg hat jedoch den gehegten Erwartungen nicht entsprochen. Der für diese Angelegenheit eingesetzte Ausschuß erklärte in seiner Majorität, daß die Freizügigkeit der Juden mit einer Reform der Gewerbegesetzgebung zusammenhänge und zuvörderst über diese entschieden werden müsse. Treffend wurde hierbei bemerkt, daß nicht sowohl die religiöse, als die gewerbliche Intoleranz der beanttagten Erweiterung der Rechte der Inden entgegenstehe. Hand in Hand gehen damit die Vorgänge in Sachsen. Im