Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609296--4744-2612093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 Schülern aller Konfessionen besucht wurden, unter welchen-sich 420!) jüdische befanden, d. i. fünfmal mehr als nach Verhältniß der Population entfielen. Endlich ist auch das drakonische Gesetz, das aus den Juden Daierns lastete, gefallen. Die bairische Abgeordnetenkammer hat om 20. März 1861 das Matrikelgesetz fast einstimmig abgeschafft, und durch den Beitritt der oberen Kammer und die Zustimmung der Regierung hat dieser Beschluß Gesetzkraft erlangt. So erfreulich diese Einstiinmigkeit auch ist, so können wir doch nicht umhin, sie den bairischen Israeliten «um Vorwurf zu machen. In allen Ländern haben die Juden für ihre Emancipation gekämpft; die Israeliten Baierns warteten, bis die überreife Frucht ihnen in den Schovß fiel. Zu dunkel war dieser Flecken in der bairischen Gesetzgebung, als daß die Sonne der Civilisation erst so hoch aufzusteigen hatte, um ihn zu beleuchten. Aber an der erwähnten Einstimmigkeit mag man es abnehmen, daß ein einträchtiges, energisches Auftreten schon früher seine Wirkung nicht verfehlt hätte, und es nicht geboten war, ganze Generationen im Lande verkümmern oder ein neues Vaterland jenseits des Oceans aussuchen zu lassen. Erst kurz vor Beginn der jetzigen Session traten einige Gemeinden wie Bamberg und Baireuth zusammen, und beriethen mit dem Abgeordneten Arnheim eine Eingabe an den König, die auch überreicht wurde. Die Discusfionen, die in der Kammer verfielen, können das Gesagte nur bekräftigen. Der Referent stellte voran: die Judenftage gehöre seit mehr als zwanzig Jahren zu den stehenden Fragen der Zeit; die Grundsätze des Rechtes, der Moral und der Volkswirthschast, das Princip der Gleichheit, des Gesetzes und vor dem Gesetze für alle Staatsangehörigen erfordern die bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung^ der Israeliten. Mußte doch ein in Vorurtheilen noch hinreichend befangener Abgeordneter — Regierungsrath von Gumpenberg — einräumen, daß es mit dem Matrikelgesetz bereits dahin gekommen