Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 297)
- Language
- German
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271 wie jene Ceremonie heißt, wenn der Rabbiner der Braut die goldene Spitzenhaube als Zeichen, daß von nun diese Kopfbedeckung ihr Haar decken niüffe, umwirst, sollte Blümele ihre Eltern uni Verzeihung bitten, wie dies eine alte Sitte vorschreibt. Da ergab sich eine Scene, wie sie den anwesenden Leuten nachher nie aus dem Gedächtnisse schwand. Wie eine Rasende, heulend und weinend stürzte sie auf ihren Vater zu und stainmelte zu seinen Füßen unverständliche Worte. Jacob Löw stand aber unbeweglich da, nicht ein Muskel in seinem Antlitze regte sich, während Esther, den Tod im Gesicht, neben ihm saß und still vor sich hinweinte. »Was willst Du noch jetzt von mir?« sprach er mit anscheinender Ruhe. »Habe ich für Dich nicht gethan, was nur ein Vater thun kann . . . und noch mehr? Jetzt bist Du mein Kind nicht mehr, ich nicht dein Vater. Der Markt ist zu Ende, die Rechnung ist abgeschlossen. Meinst Du, es wird mir so schwer fallen, Dich, zu vergessen, wie Du deine Eltern, vor Allem . . . Dich selbst vergessen hast? Ich könme Dir meinen Fluch auf den Weg mitgeben, aber ich thue es nicht. Wenn es Dir einmal schlecht geht, sollst Du nicht sagen können: Es geht mir schlecht, weil mich mein Vater verflucht hat. Segnen kamt ich Dich auch nicht . . . man segnet die nicht, die das Haar ihres Vaters mit Schande bedeckt hat. . .« Diese letzteren Worte hatte er schon so leise gesprochen, daß sie nur Blümele's Ohr berührten. Es war das letzte Aufflackern einer Liebe, die das grauenhafte Geheimniß seines Hauses selbst jetzt noch, wo es fast offenkundig vor Aller Augen lag, nicht preisgeben wollte. Mit einem lauten Schrei stürzte Blümelevonihmfortnnd klammerte sich anJaques, wie hilfesuchend. »Und nun zur Chuppe (Trauung), Ihr Leute!« herrschte Jacob Löw.