Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 296)
- Language
- German
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270 Das Haus Jacob Löw's war von einem grauenhaften Banne umfangen. Drei Monate darauf fand die Hochzeit statt. Jacob Löw hatte die Vorbereitungen dazu mit einer an Wahnsinn grenzenden Hast getroffen. Die nöthige »Heiratsbewilligung« war vom Gubernium in Prag mit einer in jener Zeit fast wunderbaren Schnelligkeit herabgelangt, denn damals geschah es nicht selten, daß ein Brautpaar, das mit braunen Haaren den Verlobungsact unterschrieben, mit ergrauten unter den Trauhimmel trat. Aber Jacob Löw kannte Wege und Mittel, um an sein Ziel zu gelangen, er ebnete Berge von Schwierigkeiten und blies mit dem Hauche seiner riesigen Thatkrast alle ihm entgegenstehenden Hindernisse wie Kartenblätter um. »Und wenn ich bis zum Kaiser nach Wien gehen müßte,« sagte er zuweilen, wenn er überhaupt sprach, zu Esther, »so fahre ich am heiligen Sabbat nach Wien. Die Räuber müssen mir aus dem Hause, die Diebe, die mir meinen einzigen Kubisch gestohlen haben.« In dieser Stimmung brach der Hochzeitstag an. Jaques mußte nach dem ausdrücklichen Willen Jacob Löw's vorher erklären, nach Ungarn heimzukehren. Die reiche Mitgift gab ihm die Mittel an die Hand, sich dort ein »Geschäft« zu gründen. Nicht in der Gemeinde, sondern draußen in einem benachbarten Dorf wurde die Hochzeit gefeiert. Jacob Löw lud gleichsam nur als Zeugen zehn der ärmsten Leute nebst einigen frommen Weibern dazu; die Verwandtschaft überging er ganz. Aller Prunk und Schmuck war ausgeschlossen; die Musik war abgestellt worden... Ein grauenhaftes Bild gramvoller Schönheit bildete Blümele. Als kurz vor der Trauung das »Bedecken« erfolgte,