Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 295)
- Language
- German
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269 zum Beginne des Gebetes noch eine halbe Stunde Zeit habe,, hätte Jacob Löw ihn mit einem seltsamen Blicke angestarrt und dann gesagt: »Könnt Ihr mir Glicht sagen, Wolf, ob der Fabriksbuchhalter Jaques schon aufgestanden ist?« worauf der Gemeindediener geantwortet: »Er wisse es nicht und glaube es auch nicht, denn Jaques sei keiner von denen, die sich das Gebot zu Herzen nehmen, daß man anr Tage nach Jom Kippur wegen des lieben Satans früher als sonst sich »in Schul« begeben müsse.« Da hätte Jacob Löw die Hände über das Gesicht geschlagen und herzzerbrechend ausgerufen: »Nicht einmal ein »Kadisch« ist mir geblieben!« Einige Tage darauf verbreitete sich ein seltsames fast abenteuerliches Gerücht in der Gaffe. Jaques der Fabriksbuchhalter und Blümele, Jacob Löw's Tochter, waren Brautleute. Nicht einmal die nächsten Verwandten waren zur Verlobung geladen worden; sie war in aller Stille, mit einer gewissen Unheimlichkeit vor sich gegangen. Es mag wohl selten einen traurigeren Brautstand gegeben haben, als den zwischen Blümele und ihrem Jaques. Die Braut war fast niemals sichtbar; wenn sie erschien, versuchte sie wohl heiter und glücklich zu scheinen, aber ihre Augen verriethen das gerade Gegentheil. Auch Esther war nicht zu sehen; die Leute, die zur »Gratulation« zu ihr kamen, wurden mit dem Bedeuten abgewiesen, die Frau leide fürchterliche Schmerzen. Selbst Jaques, der glückliche und von allen Jungen beneidete Jaques schlich trübselig einher; es schien wie Blei auf den Schwingen seiner sonstigen Lustigkeit zu liegen. Nur am Abend ging er in das Haus seines zukünftigen Schwiegervaters, aber dieser entfernte sich regelmäßig ohne Gruß und Gegenrede, sobald Jaques in die Stube getreten war.