Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 278)
- Language
- German
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252 Esther's Herz versagte für eine geraume Weile jeden Schlag; sie war bleich geworden, und vermochte kein Wort über ihre Lippen zu bringen. Keine Mutter hört ohne tiefes (Erschrecken, daß über ihr Kind ein entscheidendes Wort gesprochen werde, bevor sie es selbst in ihrem Gemüthe zum Abschluß gebracht har. Jnr ersten Augenblicke erscheint es ihr beinahe frevelhaft, daß eine andere Hand als die ihre den Zukunftsbau ihres Kindes berühre, weil sie selbst den ihr zunächst stehenden Gatten für zu täppisch und grobfühlend hält, um all das nach jenem sichern Maße festzustellen und zu bestimmen, was ihr für das Glück des Kindes am zuträglichsten dünkt. Das war auch die Empfindung Esthers, und darum erschrak sie. Nach einer Weile faßte sie sich und sagte fast unvernehmbar: »Denkst Du denn schon daran . . .« »Schon?« fragte er lachend, und mit einem pfiffigen Augenzwinkern setzte er sogleich hinzu: »Esther, ich habe ihn bereits.« »Wen?« rief sie athemlos. »Einen, auf den ich schon lange meine Augen geworfen habe,« sagte er, und seine Stimme klang fast zitternd, »Einen, wie ich ihn für mein Kind brauche und gerade so, als wenn ihn Gott eigens für uns und unser Blümele in die Welt gesetzt hätte. Denn er ist selbst ein frommes Kind, ehrt Vater und Mutter, und wird darauf sehen, daß unser Kind fromm bleibt und gut . . . und uns auch ehrt und nicht . . . vergißt, wenn wir nicht mehr da sind .. .« Esther war durch die Sprache ihres Mannes, die in ihrem Gemüthe verwandte Töne anschlug, insoweit beruhigt worden, daß sie beinahe scherzhaft fragen konnte: