Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 279)
- Language
- German
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253 »Wer soll's denn sein? Halte mich nicht zu lange in der Spannung.« »Du kennst ihn so gut, wie ich . . .« sagte Jacob Löw langsam. »Es ist mein Bruderssvhn . . .« »Maier mit den vier Händen! . . .« rief Esther, ja sie schrie es beinahe mit einer Heftigkeit, wie sie dieser Frau sonst nicht eigen war, und stand auf, um sich dann kraftlos wieder in ihren Sitz zurückzulehnen. Es fiel Jacob Löw hart, in diesem Augenblicke seinen Zorn in Zaum zu halten. Die Zornesader aus seiner Stirne war furchtbar anzusehen; dennoch bezwang er sich. »Daß doch alle Weiber in dem einen Puncte sich gleichen,« sagte er. »Vier Hände hat er, meinst Du, ich sehe an ihm nur zwei und die schaffen rüstig und tüchtig, wie es ihm kein Zweiter in der Gaffe nachthut. Ich weiß schon, was Du mit Maier's vier Händen verstehst . . . Weibergeschwätz und Narrethei! Mein Bruderssohn Maier ist Keiner von der jetzigen leichten Welt, und dafür sei Gott im Himmel gelobt und gepriesen. Möchte ich sonst an ihn gedacht haben! Ich will ihn gar nicht anders als mit seinen vier Händen!« Esther schwieg. Sie kannte nun die Gedankenfäden ihres Mannes, wie sie sich jetzt als ein vollständiges Gewebe ihren Augen darboten. Sie gehörte aber nicht zu den Frauen, die in solchen Fällen ihr vermeintliches gutes Recht gleichsam auf einen Wurf stellen, der ihnen entweder vollständigen Gewinnst oder Verlust in Aussicht stellt. Vor der Hand schloß sie den Plan ihres Mannes in ihr Herz, und drückte darauf das Siegel des Geheimnisses. Aber sie hörte ihn zu jeder Stunde des Tages in sich pochen — und wenn sie Blümele ansah, konnte sie sich einer unsagbaren Traurigkeit nicht erwehren. Wir werden erst später sehen, daß Esthers Abneigung