Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 277)
- Language
- German
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251 »Mann,« sagte eines Tages Esther, als er noch reichlichere Geschenke, als er sonst brachte, vor Blümele hingelegt hatte, »Du thust nicht gut d'ran, daß Du dein Kind an solche Dinge gewöhnst. Was soll sie in einigen Jahren zu wünschen haben, wenn Du ihr schon jetzt jede Lust, etwas zu wünschen,, benimmst? Du kennst, glaube ich, das Herz der Frauen nicht ganz; wenn es zu voll und gesättigt ist von lauter Lust und Freudigkeit, überhebt es sich gerne und geht dann einen falschen Weg. Im Gegentheil! weil das Weib zum Ertragen und Dulden, zu Schmerzen und Leiden geboren ist, muß man es frühzeitig gewöhnen, genügsam zu sein. So ein Herz muß immer eine kleine Tasche übrig behalten, wo es einen Wunsch oder eine Lust gern aufheben möchte . . . Wenn Du aber schon jetzt dein Blümele gewöhnst, als wäre sie eine geborne Prinzessin, so sage ich Dir nur das Eine: Du thust nicht gut damit,, Jacob Löw!« — »Jacob Löw ist im Stande für sein Kind mehr zu thun, als andere Leute,« sagte er mit einem finstern Stirnrunzeln. »Warum habe ich nicht mehr als das Eine Kind? . . . Ich brauche mich nicht auss Sparen zu verlegen.« »Du übertreibst . . .« meinte Esther ernst, »und verdirbst das Kind.« »Narrele!« unterbrach sie mit einen: Male Jacob Löw mit einem lauten Lachen, »glaub' doch nicht, daß ich auf meine alten Tage den Verschwender und Flausenmacher spielen werde. Nichts liegt mehr abseit von mir, als dies . . . Wie alt ist benn unser Blümele?« »Siebzehn Jahre!« rief Esther mit einiger Bewegung. »Siebzehn Jahre!« spottete Jacob Löw mit zunehmender Lustigkeit, »und noch keine Ausstattung! Wenn Du nicht daran denkst, ist es nicht meine Pflicht und Schuldigkeit?«