Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1860-01-01 · Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860) · p. Seite 242

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 242 (sequence 268)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2609281-2609294--4614-2611962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

242 dieses Haus jetzt in so grauenhafter Verödung da liegt, beffeit einzige Bewohner ein alter Mann, jener »Gewaltnik« Jacob Löw und sein Hund sind! Fünf Knaben waren es; aber keiner von ihnen hat das dreizehnte Lebensjahr erreicht. Wenn sie an die Greuzscheide dieses Alters traten, schien es, als ob über den heitersten, von Sonneugold überfluteten Himmel plötzlich eine schwarze Wolke streiche. Die Wolke senkte sich immer tiefer, immer schwärzer herab — wenn sie vorübergezogen, war bas Kind todt. Dieses Ereigniß trat stets mit einer so erschreckenden Schnelligkeit ein, daß man das Kind, dessen Wangen gestern noch in vollster Lebensblüthe leuchteten, nach einem Monate, ja oft schon nach einem viel kürzeren Zeiträume, draußen aus dem »guten Orte« zur ewigen Ruhe bettete. Eine tückische Krankheit, die keine Kunst vorhersehen, keine zu bewältigen vermochte, bei jedem unter einer andern Form austretend, als wollte sie jeder Wachsamkeit schon im Voraus Hohn sprechen, raffte erbarmungslos die Knaben hin; sie wären »beschrieen« worden, meinte der fromme Wahn; sie seien mit einem zu »kurzen Athem« auf die Welt gekommen, klügelte nachträglich die Weisheit der alten Frauen. Am zu kurzen Athem! Die Leute ahnten nicht, daß sie da einen Witz machten, wo er ihnen gewiß nicht auf den Lippen saß. Wenn Jacob Löw am Freitagnachmittage voll seinen Geschäftsreisen sein Haus betrat, dieses gesegnete, vom Hauche lieblicher Weiblichkeit gleichsam durchwärmte Haus, denn damals schaltete und waltete noch darin seine Frau, da empfand er jedesmal ein wehmüthig freudiges Gefühl. Fünf lockige Knabenhäupter drängten sich unter seine Hände, damit er sie segne; Eines wollte dem Andern zuvorkommen; er hatte sie Alle in einem dichten Knäuel beisammen. Nicht als ob ihn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.