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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1860-01-01 · Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860) · p. Seite 241

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 241 (sequence 267)
Language
German
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IRI
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241 warten hatte, und daher besonders übler Laune war, meinte sogar mit dem Ausdrucke tiefster Erbitterung: »Da kann man gewahr werden, was bei uns leider Gottes! ein reicher Mann ist, und ein armer. Wo hat man's schon gehört und erlebt, daß ein armer Mann sich einen Hund halren darf? Aber weil Jacob Löw Geld hat, und die Leute ihm schuldig sind, darfer sich einen Hund halten, der »Gewaltnik«! Seinetwegen muß so ein krankes Kind die Augen offen halten und kann nicht schlafen. Pfui über die ganze Gemeinde, daß sie dazu schweigt und läßt den Hund bellen, wie er will! Aber heutzutage gibt's keine Leut' mehr. Sie fürchten sich vor Jacob Löw und fürchten sich vor seinem Hund. Ich sollte die Gemeinde sein, da sollte der»Gewaltnik« sehen, ob mir so ein Hund die Nacht verstören darf. Aber es gibt jetzt keine Leut' mehr.« Es gab eine Zeit, und sie ist noch nicht gar zu ferne, da lauteten die Aeußerungen über Jacob Löw wesentlich anders. Wer damals den Ausdruck »Gewaltnik« von ihm gebraucht hätte, den hätte man mit nicht weniger verwunderten Blicken angesehen, als wenn er der Meinung gewesen wäre, Adler und Taube seien leibliche Geschwister. Auf demselben Hofe, der jetzt den mürrischen Wächter des Hauses, jenen schlafstörenden Hund beherbergt, tummelten sich fröhliche Knaben, und das Herz wurde Einem weit und offen, wenn man schon in der Ferne ihre ausjauchzenden Kinderstimmen vernahm! Alles lebte, glänzte und leuchtete gleichsam an diesem Hause; besondere Engel schienen es zu hüten. Nirgendwo gab es schönere Kinder; ihre Wangen waren von einer so durchsichtig feinen Röthe überhaucht, dabei glänzten ihrer Aller Augen in einem so eigenthümlich leuchtenden Schimmer, wie man Aehnliches gesehen zu haben sich nicht erinnerte. Ach! die rothen Wangen! und die glänzenden Augen, sie tragen die Schuld davon, daß Jahrb. f. JSr. 1861. 16

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