Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 226)
- Language
- German
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200 Die Ordnung der Kaiserin Maria Theresia sucht eben dieser Anforderung gerecht zu werden. Sie bestimmt nämlich, daß der Landrabbiner jedes halbe Jahr den andern Rabbinen anzeige, welche »Maseche« (Tractat) gewählt werden soll, damit Gleichmäßigkeit sei und die Schüler von einer Schule zur andern übergehen können, um ihre Studien fortzusetzen. Es soll auch daraus ermessen werden, wie sich die »Scholaren« geübt und wie der Rabbiner gewirkt hat. Wir finden hier die Hauptbestimmungen für ein Seminar, an dessen Spitze ein Direktor steht. Ebenso wichtig für das systematische Vorgehen ist ein anderer Paragraph, welcher festsetzt, daß ein Tag in der Woche dazu bestimmt werde, die Schüler über das Erlernte zu prüfen. Es bestand der Mißbrauch, daß insbesondere an größern Jeschibot der Rabbiner Vorträge hielt, ohne sich weiter zu kümmern, welche Fortschritte die Schüler machen. Die Fechtkunst des Pilpul war zumeist allein entscheidend. Die »Ordnung« schreibt nicht vor, welche Gegenstände gelehrt werden sollen: die Wahl derselben ist dem Landesrabbiner überlassen, welcher die Bedürfnisse der Gemeinden aus Autopsie besser kennen muß, als die Behörde. Man wird zugeben, daß diese Einrichtung dem Zweck sehr entsprechend war. Doch haben wir nie vernommen, sie sei ins Leben getreten. Der ungebundene jüdische Geist wollte sich keine Schranken setzen und die Vorbereitungen zum Rabbinate waren nach wie vor, daß der Jünger vor allem »das Meer des Talmuds« durchschiffen mußte, hatte er auch die Höhen und Tiefen des Disputes erforscht und die Dialektik sich angeeignet, dann ging es an das Studium des »Possek«, wie die Gesetzescodices genannt wurden. — Jur Interesse der Sache ist es sehr