Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 121)
- Language
- German
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95 Jahre 1858 zählte der preußische Staat unter 17,739,576 Einwohner 242,216 Juden, somit war der 71te Mensch ein Jude. Als Uebertreter des Strafgesetzes kommt dagegen Ein Jude nur vor: im Jahre 1854 unter 106 Straffällen, im Jahre 1856 unter 114, im Jahre 1856 unter 143; sie hatten daher einen fortschreitend geringeren Antheil an Vergehen und Verbrechen als an der Bevölkerungszahl, eine Thatsache, die wohl geeignet erscheint, die noch herrschenden Vorurtheile hierüber schlagend zu widerlegen. In den Gemeinden waltet ein lobenswerther Eifer zur Vervollkommnung zur Cultur und Schule. Das neue Lehrerseminar zu Berlin hat tüchtige Kräfte gewonnen und verspricht ein fröhliches Gedeihen. In Trier wurde eine neue prachtvolle Synagoge eingeweiht. In Lissa fand im vorjährigen Herbst die feierlicheEinweihung des von dem Triester Banquier Wollheim gestifteten Kranken- und Armenhauses statt. Zu bedauern bleibt dagegen die fortdauernde Erledigung der vier bedeutendsten Rabbinatssitze in der Provinz Posen. Die von Dr. Philipson zu Magdeburg angeregte Anstalt zur Verbreitung von Bibeln blieb zwar nicht ohne Anfechtung, hat jedoch bereits einen Fond von mehr als 4000 fl. zusammengebracht. Das literarische Institut desselben erfreut sich einer wachsenden Theilnahme. Eine Petition preußischer Juden zur zeitgemäßen Modification des Judeneides ist im Zuge. In Baiern ist von durchgreifenden Fortschritten noch wenig zu berichten; doch schwächt sich das abgelebte Princip des Matrikelwesens in der Praris allmälig ab. Selbst in den früher wenig judenfreundlichen Städten Nürnberg und Landshut kamen neue Niederlassungen vor. Dr. Engelmann, früher Assistent an der Irrenanstalt zu Irrste, wurde dirigirender Arzt an der Staatsanstalt St. Georgen bei Baireuth. An der Würz-