Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 120)
- Language
- German
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94 ja inkonsequent und kleinlich zugleich, man wird Sie doch nicht, wie Josna die Gibeoniten, lebenslänglich zum Holzhauen und Wasserträger: verdammen wollen?« Und doch ist es also. Denn nach den geltenden Bestimmungen kann ein jüdischer Lehrer die christliche Jugend eines Gymnasiums oder einer Realschule dauernd unterrichten, und 20—30 Jahre lang alle Functionen eines ordentlichen Lehrers verrichten, wenn er sich nur mit dem Titel und dem Gehalt eines Hilfslehrers begnügt und keine Ansprüche auf Pension macht; damit aber ist die ganze Angelegenheit von dem religiösen Gebiete auf das finanzielle übergetreten. Festangestellte Lehrer — noch aus der Zeit des Sauer'schen Ministeriums sind nur Professor Ung er in Erfurt und Dr. Teplitz in Lissa verblieben. Andere sind nicht angestellt worden. An der Posener Realschule legt ein jüdischer Candidat Dr. Jntrosinsky das Probejahr ab. Die Petition des Dr. Arnheim, sein pädagogisches Probejahr an einem Gymnasium bestehen zu können, wurde im Mai 1860 in der Kammer debattirt nnd nach einigen Debatten der Berücksichtigung empfohlen. Wie sehr die öffentliche Meinung in Preußen beit Zurücksetzungen der Juden entgegensteht, ist aus den Fällen ersichtlich, in welchen sie selbstständig hervortreten kann. In Gleiwitz wurden unter 11 Stadtverordneten 7 Juden erwählt, und Aehnliches kam auch in anderen Orten vor. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde dem musterhaften Verhalten der im preußischen Heere dienenden Soldaten des mosaischen Bekenntnisses eine ehrenvolle Anerkennung zu Theil. Befriedigend spiegelt sich das Fortschreiten der Moralität unter den preußischen Juden in den kundgemachten Ausweisen der Criminalstatistik ab. Nach der letzten Zählung im