Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 122)
- Language
- German
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96 burger Universität wurde zum ersten Male ein Jude als Docent zugelassen: Dr. Hirsch Silberschmidt, praktischer Arzt und Verfasser einer gekrönten Preisschrift. In Würtemberg wurde der Rechtskonsulent Heß von dem königlichen Justizministerium zum Ober-Justizprocurator bei dem königlichen Gerichtshöfe in Ulm ernannt. Der Medicinal-Candidat Joseph Bödelheimer erhielt die Affistenzarztesstelle im Paulinen-Hospital zu Stuttgart, der Rath Rudolf Kaulla das Comthurkreuz des würt. Verdienst-Ordens. Daselbst feierte der verdiente Kirchenrath Maier sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Ueber die gemeinnützige Industrie der Ulmer Juden liegen uns rühmliche Berichte vor. Nur allein das dortige Haus des Herrn Neuburger beschäftigte in Stickerei und Weberei 1500 Personen beiderlei Geschlechts. In Stuttgart ist eine neue Synagoge im Bau begriffen. Die israelitische Gemeinde verwendet 100,000 fl. auf das Gebäude und erhielt das Geld vom katholischen Jntercalarfond vorgeschossen. In Baden wurden wieder Juden zur Advocatur zugelassen und einige ältere Anwälte mit staatsämtlichen Functionen betraut. So der Obergerichtsadvocat Dr. Kusel in Bruchsal mit Uebertragung der Fiscalanwaltschaft, Obergerichtsadvocat Dr. Heimerdinger ut Karlsruhe mit der staatlichen Vertretung bei Expropriationen, Dr. Gutmann in Karlsruhe durch Verleihung der Anwaltschaft bei dem Kriegsministerium. Am 16. Mai 1860 verhandelte die Kammer die Petitionen von 66 israelitischen Cultusgemeinden um das Gemeindebürgerrecht mtb um Freizügigkeit. Die Petitionen wurden an das Ministerium zur Berücksichtigung überwiesen. Die badischen Juden ihrer erwiesenen Loyalität willen belobt.