Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 117)
- Language
- German
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91 fassrmg aufgehoben; da aber jeder Minister innerhalb seines Ressorts selbstständig ist, so erklärte der Justizminister, er werde etnen Inden als Richter nicht anstellen. Wiederholt hat sich nun das Herrenhaus gegen, das Abgeordnetenhaus aber für die volle Verfassung erklärt. Ein solcher innerer Widerspruch in den Regierungsgrundsätzen ist aber gewiß unhaltbar. In der Abgeordneten-Sitzung vom 24. April 1860 kam die Beschwerde des Oberrabbiners Sntro zu Münster gegen die Nichtzulassung der Juden zu obrigkeitlichen und Bauämtern rc. zur Discussion, wobei die Abgeordneten Behrends und Veit für, Blankenburg gegen die Petition sprachen. Treffend widerlegte Veit die Argumente seines Vorredners. Daß gläubige Juden angeblich die Gleichstellung nicht beantragen könnten, widerlege sich durch die Petition selbst, da der Oberrabbiner Sntro zu beit orthodoresten Männern des preußischen Staates gehöre. Auf die Angriffe gegen den Talmud erwiderte er, daß der Talmud nicht ein dogmatisches Buch, sondern ein Riesenwerk in 12 Folianten sei, es enthalte stenographische Berichte über religiöse Fragen, und daß sich in einem solchen Buche Widersprüche vorfänden, sei wohl natürlich. Er schloß, indem er den Zusammenhang der Emancipation mit der freiheitlichen Entwicklung im Staate darstellte. Bei der am 25. April fortgesetzten Debatte wurde der Commiffionsantrag (Ueberweisnng der Beschwerde au die Staatsregierung) angenommen. Eine Petition gegen die Zulassung von Juden zu den Kreistagen wurde noch später mit großer Stimmenmehrheit der Tagesordnung überwiesen. Eine Deputation aus Männern der Kreuzzeitungspartei, welche sich an den Prinz-Regenten mit der Bitte wandte, die Juden der Kreisstandschast und anderer verfassungsmäßiger Rechte unfähig zu erklären, wurde mit entschiedener Ableh-