Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 70)
- Language
- German
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44 wunderten, sich die künftige Gattin zu wählen. Jüngling! sang man dort, heb' den Blick und wähle. Aus dem Kreis der Schönen tönt es: »Zur Schönheit ist das Weib geboren, die Schönste sei von Dir erkoren.« Aus dem Chor der Abkunftsstolzen scholl es: »Wenn Reiz und Anmuth schon geschwunden — noch wird sich edler Stamm bekunden.« Aus der Schaar der minder Begabten erscholl es: »Vom Himmel kommt der Ehe Segen — drum wähle Du nur Gottes wegen.« Damit jedoch Armuth und Reichtbum nicht an den Kleidern erkannt wurden, durste keine Jungfrau die eigenen Gewänder tragen; jede mußte ihren Anzug entlehnen, daß die unbemittelten nicht zu erröthen brauchen, wenn sie dasselbe thaten. Alle waren ferner weiß gekleidet, daß die Farbe nicht den Vermögensstand verrathe; denn so tief drangen die Grundsätze des Zartsinnes in die Massen des Volkes und dessen Spiele ein. Schließen wir diese Skizze mit den überschwänglich-freigebigen Bestimmungen des Gesetzes über das »Wie viel« der Almosen. Das Bedürfniß der Nothleidenden war stetsder Maßstab für die Höhe des ihnen zugewendeten Betrages, und wenn unverschämte des Bettelns gewohnte Leute ein Geringes erhielten, so berücksichtigte man um so mehr, die früher im Wohlstände gelebt. Wer ehemals zu reiten gewohnt war, den lasse man nicht zu Fuße gehen', wer vor dem Hühnerfleisch gegessen, dem biete man keine Linsen an. Ja von Aba Areku begehrte einst ein armer Mann gemästete Kapaunen und, guten > alten Wein, er sei einmal an solche Kost gewöhnt. »Und fürchtest du nicht die Gemeinde zu belästigen?« fragte der Rabbi. »Ich bin nicht ihr, sondern Gottes Gast,« erwiederte achselzuckend der Arme. Hierauf wußte A. A. nichts zu erwiedern, als ihm den theuren Bissen zu überlassen, welchen seine zu Besuch gekommene Schwester zufälliger Weise dem angestrengten, gelehrten