Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 65)
- Language
- German
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39 Hillel, R. Josua und viele andere Rabbiner. Welche Wirkung mußte es nicht hervorbringen, wenn R. Akiba sich auf den Feldern das Stroh für seine und seiner Gattin Lagerstatt zusammenlesen mußte, und da einst ein ärmerer Mann um ein wenig Stroh für sein Weib, das im Entbinden wäre, und aus hartem Boden liege, ihn angefleht, lächelnd mit diesem theilte. »Du siehst wohl,« sagte R. A. zu seiner Frau, »daß wir noch nicht die Aermsten sind. Dabei übten diese Männer selber die Tugend, die sie lehrten. Ein Mar Ukba springt in einen geheizten Backofen, aus Furcht von dem Armen eutbedt zu werden, dem er heimlich eine Gabe zugewendet; denn ihm dünkt's besser in's Feuer ju springen, als Menschen schamroth machen. Als er einst vernahm, daß ein Anderer, der sein Almosen genoß, an reichbesetzter Tafel betroffen wurde, rief er: »Hat dieser Mann mehr Bedürfnisse, so muß ich die Gabe verdoppeln.« Da man ihm auf seinem Sterbebette das Verzeichniß seiner letztjährigen auf 7000 Golddenarien sich belaufenden Armenspenden überreichte, seufzte er: »Ach, wie geringe Wegzehrung für die große Reise, die ich unternehmen soll!« Hunderte und tausende solcher Beispiele werden im Talmud angeführt, für die all' die dickleibigen Bücher, welche gegen denselben geschmiedet wurden, kein Plätzchen fanden. Uns genügt es zur Kennzeichnung der Grundanschauungen noch die Worte hieher zu setzen, die man dem zum Zudenthume bekehrten Könige Monabuz in den Mund legt, der auf den Vorwurf, er zersplittere das Erbe seiner Väter in Almosen, geantwortet haben soll: »Wie meine Ahnen, sammle auch ich Schätze; jene für hier unten, ich für dort oben, jene, wo sie der Gewalt verfallen, ich, wo keine Macht sie mir entreißt. Sie sammelten Geld, ich Seelen, sie für ihre Erben, ich für mein eigen Heil, sie für begrenzte Zeitlichkeit, ich für die Ewigkeit.«