Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 244)
- Language
- German
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206 einem Schwerte des Damocles über ihnen hing,« so ist das an sich gewiß richtig: die volle Wahrheit ist es nicht. Zur vollen Wahrheit hätte die Bemerkung nicht unterbleiben sollen, daß eben jene einheimischen Rechtsprinzipien lediglich aus canonischen Grundsätzen basirt und ans ihnen emporgewachsen waren. Die Kirche selbst hatte es ausgesprochen, daß die Juden »zur ewigen Rache ihres Verbrechens (an Christus) zur ewigen Knechtschaft verdammt seien.« In seiner Eigenschaft als oberster Schirmherr der'Kirche hatte derKaiser demgemäß auch dafür zu sorgen: erstens daß die Zudenkeinerlei Herrschaft über Christen ausüben: er that es, indem er fie prinzipiell von öffentlichen Aemternausschloß: zweitens daß stein Knechtschaft seien; er that es, indem er fie zu seinen Leibeigenen, zu Knechten seiner Kammer machte.a) Aus diesem Verhältnis der Knechtschaft, in welches die Juden in Folge des canonischen Rechtsgrundsatzes zum Kaiser traten," folgt aber, nach dem Begriff den das Mittelalter mit der Knechtschaft verband, von selbst, daß der Kaiser frei über Gut und Leben der Juden verfügen darf. So ist es also ein mit aller Rothwendigkeit und Folgerichtigkeit aus dem canonischen Rechte hergeleiteter Grundsatz des mittelalterlichen deutschen Staatsrechts, daß »dem Kaiser als oberstem Schirmvogte der Kirche die Gewalt in die Hand gegeben ist, die Juden, des Christenthums ärgste Feinde, im Reiche gänzlich auszurotten.« °) Vor dieser einsa- *) Philipps Kircheurecht II. 413. 3) Man vergleiche die betreffenden Stellen der Urkunden Friedrichs II. und Conrads IV. bei Gengler, deutsche Rechtsgeschichte S. 536. Die Bezugnahme dieser Urkunden auf die Bestimmungen des canonischen Rechts laßt sich evident Nachweisen. *) Gengler a. a. O. Was hier über Juden im Mittelalter zur sammengestellt ist, ist sehr brauchbar, und es ist zu bedauern, daß das Buch mitten in diesem Abschnitte abbricht.