Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 242)
- Language
- German
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204 ten sich im 13. Jahrhundert nicht dazu entschließen die Häuser der Juden zu verlassen, der christliche Geschäftsmann wandte sich in Geldangelegenheiten nach wie vor an die Juden und zahlte ihnen Zinsen, die gewiß oft genug sehr hoch und sehr drückend waren, denn von seinen christlichen Glaubensgenossen mochte er nur selten ein Anlehen erhalten, weil es ihnen von der Kirche verboten war Zinsen zu nehmen: der Fürst entließ weder seinen jüdischen Leibarzt, noch seine jüdischen Hoswechsler, Zollpächter und Münzmeister; es war eben unmöglich, sie zeichneten sich durch Geschäststüchtigkeit aus, er mochte und konnte ihrer nicht entrathen. Was mußte es aber auf sie Alle, von dem Dienstboten bis hinaus zum Fürsten, für einen Eindruck machen, wenn sie Sonntags in die Kirche traten und dort, wie angeordnet war, immer wieder vernahmen, daß sie durch den Verkehr mit den Juden, den sie nun einmal nicht lassen konnten, sich eines schweren Vergehens schuldig machten, eines Vergehens, das den Verlust der Segnungen und des Heiles der kirchlichen Gemein- : schüft nach sich ziehe! Wir schweigen von der Gewiffenspein, die 1 aus diese Weise frommen, glaubensbcdürftigen Gemüthern bereitet wurde: die Geschichte weiß ja nur von dem zu erzählen, was in die Erscheinung tritt. Wer aber weiß nicht, wie leicht sich, in roheren Gemüthern zumal, der Unmuth und die Zerknirschung über die Sünde in glühenden Haß gegen denjenigen verkehrt, der sie veranlaßt und wie der Reuevolle die letzte Sühne seiner Schuld nur in der gänzlichen Vertilgung ihrer Ursache sucht und findet! Durch ihr bloßes Dasein waren die Juden Veranlassung und Ursache der Sünde, die der Gläubige sich durch den Verkehr mit ihnen zuzog. Die Kirche gebot, sie zu meiden — der Drang und das Bedürsniß des Lebens, die Macht des Geldes, das in den Händen der Juden war, führte immer wieder zur Uebcrtretung des kirchlichen Gebots. Um der Sünde, die in dieser Uebertretung lag, und der Versuchung für immer ledig zu sein, bot sich dem einfachen Sinn kein anderes Rai