Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 230)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609292--4286-2611633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 waren es, welche, wie kein anderes Ereigniß, die Macht der Päpste förderten. Die Einheit der abendländischen Christenheit trat in diesen großen gegen die mohamedanische Welt gerichteten Actione», wie niemals vorher oder nachher, in die Erscheinung. Indem die de»ischen Kaiser, gleichviel aus welchen Gründen, es versäumten, von vornherein sich an die Spitze dieser zeitgemäßen Bewegung zu stellen, begaben sie sich des besten Mittels ihre Suprematie tr. Europa factisch zu bethätigen und für die Dauer zu befestige». Die Päpste aber thaten, was die Kaiser unterließen. Selbst ergriffen von der Macht des religiösen Enthusiasmus, welcher die Geister unwiderstehlich sortriß, wurden sie recht eigentlich die Anregerund Leiter der Bewegung. Das war die Epoche, in der die Päpste auf der Höhe der Zeit standen: Regierer der Geister waren sie die wahren Oberherren im Abendlande. — Vergeblich rangen die heldemnüthigcn staufischen Kaiser neben ihnen ein selbstständiges Reginient in Deutschland und Italien auszuüben; da sie sich ihnen nicht unterwerfen wollten, so mußten sie bis aus den Letzten untergehen. Ais das geschehen, da war freilich Deutschlands politische Macht im Innern und nach Außen gebrochen und eine Zeit der Zerrüttung und des Elends trat ein. Dagegen hatten die Päpste in kirchlicher, wie in staatlicher Hinsicht nunmehr eine Stellung erlangt, die selbst die kühnen in den pseudoisidorischen Decretalen erhobenen Ansprüche hinter sich zurückließ. Ilm diese Stellung gesetzlich zu fixiren, um die zu einem großen einheitlichen Ganzen verschmolzenen abendländischen Nationen mit denselben Gesetzen zu durchdringen, war es nothwendig die Grundsätze, Beschlüsse allgemeiner Concilien, Decrete und sonstige:: päpstlichen Briefe und Erlasse, welche nach und nach zu dieser Höhe hinausgesührt hatten, zusammenzutragen, ihnen canonisches Ansehen zu verleihen und sie aller Orten in Anwendung zu bringen.