Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 106)
- Language
- German
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68 genügende kurze Andeutungen, die noch dazu so sagenhaft klingen, daß für den Geschichtsforscher nur ein sehr geringer Gewinn daraus erwachsen kann. Glücklicherweise ist noch eine alte Geschichtstafel als Denkmal des angedeuteten Liebesverhältnisses zurückgeblieben, welche mit den »wunderbaren Zungen der Wahrheit« zu den Sterblichen zu sprechen pflegt. Auf dem alten jüdischen Gottesacker zu Lemberg ist uns nämlich diese GeschichtStasel in Stein gehauen aufbewahrt worden. Zn der Gräberreihe der Märtyrer (L'Vinp) ragt ein großer reichverzierter Grabstein hervor, welcher im hebräischen Lapidarstil von der Geliebten des Königs Kunde gibt. Aus dieser Zuschrift ersehen wir, welche Lichtspur diese edle Frau auf ihrem Erdengange zurückgelassen. Sie hieß »Ml« (Adele) und wird mit dem bedeutungsvollen Titel ru’rnpn Phk (»Adele die Heilige«) bezeichnet; ein Epithel, welches man in alten Zeiten, namentlich auf Grabsteinen, nur den Märtyrern, welche um des Glaubens willen umgekommen, beigelegt. ') Sehr sinnig und bezeichnend wird dieser edlen Frau die Benennung ntpnpn (Märtyrerin) beigelegt; denn brachte sie auch *) Das Monument Adelens lehnt an das eines Oberrabbiners aus der Familie Reizes und das seines Bruders des Oberrabbi des Lehrhauses welche durch das Henkerbeil hingerichtet worden sind und zwar am Vorabend des Wochenfestes (die Jahreszahl ist verwischt). Auch die Ursache ihres Märthrertodes ist angegeben: »weil sie einem Cvnvertiten zuredeten zum Judenthum zurückznkchren.« •— Schon daß man unsere Adele in solcher Gesellschaft zur Erde bestattete, zeugt von der hohen Meinung, die ihre Zeitgenossen von ihr hatten und aus welchem Standpunkt sie die ihr zu Theil gewordene Gunst des '.Königs betrachteten.