Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 89)
- Language
- German
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51 die Dinge, die kommen; sei Du nicht klüger als alle Welt, Chune, und nicht aufgeklärter!« Entschlossen packt die Frau den Strumpf zusammen, wickelt sich in ihre »Schabes-Züpe« und eilt hinaus. Außerhalb der Thüre findet sie ihr Söhnchen lauschend. »Geh' hinein, Gerschele, mein Kind«, sagt sie, »kämme Dir das Haar und wasche Dir das Gesicht.« Stunden vergingen bis Fradel heimkehrt — das Gesicht brennt, die Augen flammen. Reb Chune beugt das Haupl vor dem nahenden Sturm und flüchtet in den Kreis seiner Kleinen. In der Stadt war sie gewesen, alle Leute hat sie gesprochen, bei allen Müttern hat sie angefragt, alle Hebel hat sie angesetzt — nirgends eine Braut für Gerschen soll leben! »Zehn Gulden gib mir!« herrscht die Frau ihrem Manne zu, indem sie in der gelben Cvmmode herumsucht und mehrere Sachen zu einem Bündel legt. »Wozu brauchst Du zehn Gulden, Fradel?« fragt schüchtern der unglückliche Gatte. »Das werde ich Dir sagen? Ich will zehn Gulden, weil ich zehn Gulden will und damit basta!« Der arme Chune seufzt. Auf dem Halse trägt er an einer Schnur ein ledernes Beutelchen, in welches Ersparnisse wandern, d'raus zieht er ungern die geforderte Summe, denn seine Frau steht drohend da: La bourse ou la vie. »Ich reise nach Beiz,« sagt dann die Empfängerin, »zum Rebben.« Reb Chune, der im Verruf steht seinen Schülern die Bibel in deutscher Uebersetzung vvrzutragen, lächelt, denn zu lachen hat er keinen Much. 4 *