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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 49

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 49 (sequence 87)
Language
German
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49 rvie auf Commando inne und der Melamid dreht sich ungerne seiner Ehegenossin zu, die wortfertig dasteht. »Hast Du gehört, Mann? Der 21. October — zehn Tage später darf Gerschon nicht mehr heirathen, zehn Tage später ist das Kind verloren!« Es war im October 1858 und das neue Recrutirungsgesetz brachte zu jener Zeit in Galizien eine eigenthümliche Wirkung hervor. Die drin den Familienvätern zugesprochene Begünstigung und der Umstand, daß von November an nur Jenen, die ihrer Militärpflicht genügten, Heirathsconcense ertheilt werden sollen, trieben eine außerordentlich große Anzahl junger Leute eilig an den Traualtar, zu dem sie später den Weg versperrt zu finden fürchteten. Kaum zur Mannbarkeit herangereifte Kinder, unfähig den Ernst und die Pflichten des Lebens zu tragen, ohne ihre Aussichten und die Zukunft zu befragen, schleppten Hymens schwere Kette. Wenige Stunden genügten das Schicksal zweier Personen, die früher einander nie kannten, einander nie sahen, für die Lebensdauer an einander zu schmieden. Kaum gab es ein Haus, in welchem nicht eine Hochzeit begangen wurde. Und diese Hochzeiten! Kein Bechergeklirr, kein Gepränge und keine Klänge. Wie in den düster» Zeiten der Cholera die Tobten rasch und prunklos hinausgetragen wurden ohne Gefolge, ohne Glockengetön und Grabgesang aus Mangel an Zeit und Menschen und damit alles Aufsehen vermieden werde — so wurden die Paare rasch und ängstlich angelobt, angetraut und in eine unbestimmte Zukunft eingesargt! Der Melamid zuckt die Achsel. »Es ist nicht so schrecklich,« sagt er; »wie alt ist der Junge? Sechzehn, kaum sechzehn.« »Kaum sechzehn!« keift die Frau. »Reb Rochim-ben-Zion hat einen Knaben um fünf Monate jünger als Gerschon soll leben, Jahrb. f. JSr. 1880. 4

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