Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 75)
- Language
- German
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37 auch der sittliche Einfluß auf die Mitwelt durch besonnene Statuten vertreten, die wohl jedem Streite wehren, aber keine Herzen bilden. Aber der Mensch auf niederer Culturstufe, wie Kinder und Dienstboten, können nur von lebendiger, persönlicher Theilnahme angeregt werden, nie von Schablonen; — man kann sie nur durch Beispiele, nie durch dürre Regel bilden. Wenn aber jener Ungeist der Schablone selbst das Familienleben und die Kindererziehung bedrohet, was läßt sich für die Verbesserung des Gesindes erwarten? Nur inmitten der gesunden, sich natürlich entwickelnden jüdischen Familie, unter dem Svnnenblicke jüdischer Liebe, wie wir sie geschildert haben, werden auch wieder gute Dienstboten gedeihen. Zum Schluffe aber sei noch ein Wort über jüdische Dienerschaft in jüdischen Häusern gestattet: Man darf nie vergessen, daß keine Leutseligkeit, keine Milde im Umgänge, keine Freigiebigkeit Menschen entthieren und entwildern kann, wo ihnen der Aufblick zu idealern Welten nicht ermöglicht wird. In frühern Zeiten trugen Hauseinrichtung und religiöses Leben der jüdischen Familien auch in dieser Rücksicht Sorge Als noch der Sabbat allwöchentlich heiligend durch alle Räume zog, und selbst der Herd in der Küche so feierlichschweigsam die Ruhe verkündigte, und Topf und Kessel blank, schmuck und sabbatlich-stumm auf dem Gesimse standen; da überkam es auch den jüdischen Dienstboten mit der Ahnung einer höhern Weltenordnung. Im Speisegesetz hatte die Religion ihr Organ, dem Gesinde einen göttlichen Willen zu verkünden, und noch vor wenigen Jahren saß der jüdische Dienstbote am Pessachabend mit zu Tische, wenn das Fest der Freiheit gefeiert ward. Da bedurfte es freilich keiner besonder» Anstalt, die religiöse Bildung der jüdischen Dienerschaft zu fördern. Aber heutzutage werden Knechte und Mägde unseres Glaubens in dieser Rücksicht gar nicht bedacht. Sie stehen ohne Einflußnahme der Religion, den Wirkungen des sinnlichen Lebens preisgegeben; sie betreten nie ein Gotteshaus, werden nie