Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 76)
- Language
- German
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38 zu einer Andacht veranlaßt, kennen kein höheres Gebot als die sie betreffende polizeilicke Verordnung, und kein Seelsorger hat für sie ein Stündchen. Niemand lehrt sie ihre Pflichten von höhern Geflchtspuncten aus betrachten, nie werden sie aus einem in niedriger Geschäftigkeit sich verlierenden Thierleben zu einem Blick nach obeir wachgerufen. Und doch verlangt man Treue, Ehrlichkeit, Verläßlichkeit, Liebe, Anhänglichkeit, ja Selbstverläugnung und Uneigennützigkeit, ohne Aussicht auf irdischen Gewinn, ohne Einsicht in moralisch-religiösen Werrh. Dem gebildeten Hausvater, der vielbclesenen Hausfrau, deren Geist und Herz überall Nahrung, Erhebung, Erbauung sinket, wird noch von den Kanzeln das Wort des Heiles gepredigt; aber gerade der ungebildetere Dienstbote, der dessen am meisten bedürfte, hat keinen Antheil an der Segensspende, die die Religion einem jeden hat gewährt! — Sie sind die verlornen Schafe aus der Heerde Gottes, sie trifft kein Blick des Seelenhirten, wie soll da nicht Entsittlichung und in ihrem Gefolge Trägheir, lüsterner Sinn, Untreue überhand nehmen? Könnten unsere Hausfrauen ihre jüdischen Mägde nicht für eine Stunde an dem gebotenen Ruhetage entbehren, daß jene einmal ihre Pflichten in der Sprache der Liebe vernehmen? Oder wäre es mit so großen Kosten, mit solcher Unbequemlichkeit verbunden, die Pforten des Gotteshauses am Tage der Andacht einmal denen zu öffnen, die nach einem solchen Labetrunke schmachten? Wir fragen und hoffen, Israels Führer und Häupter werden cs der Mühe werth halten, mit Thaten darauf zu erwiedern. VII. Quellen-Nachweis. Es scheint mir diesmal am Platze, die Quellen des Vorstehenden namhaft zu machen. Für den harmlosen Leser erwächst, hieraus wohl keine Pflicht, all das Citirte nachzuschlagen, wohl.