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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 36

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 36 (sequence 74)
Language
German
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36 Zirkel bewegen, nie die Schwungkraft, die im Ganzen liegt, begreifen; sie sehen das Lüsteln und Sehnen, nie das Wollen und Streben, die Launen und nie die Gefühle, die Manieren und nie die Gesinnungen. Zudem trägt man die leichtfertigen Kinder des Luxus gerne frei, während man die heiligsten Rührungen des Herzens vor profanen Blicken verbirgt. So ist man genöthigt, dem Gesinde Vertrauen ohne Achtung zu schenken; — kann solches Vertrauen Treue wecken? Man kann sich dem Einflüsse der Dienstboten nicht entziehen, und scheuet doch ihre Berührung. So sind sie gemiedene Menschen, die unsere stete Umgebung bleiben, fremde Personen, in deren immerwährender Bekanntschaft man lebt, ein Stück Familie, das nie heimisch werden, ein Stück Heimat, das uns täglich verlassen kann. Dieser Widerspruch in ihrer Stellung hat jeden erziehlichen Einfluß auf sie unmöglich gemacht. Eine andere Richtung des heutigen Zeitgeistes bedrohet alle Fähigkeit Menschen zu erziehen, weil sie uns den Maßstab für den persönlichen Wert des Einzelnen aus der Hand gerungen. Alle erhabenen Genien, die in großen Seelen wohnen, wie: Zartfinn, lebendige Herzensregung, Charactermacht, sie sind entbehrlich geworden, wo sogenannte Ver-! eine, Anstalten, Institut gewordene Zdeen erfolgreicher und dauernder als die persönliche und augenblickliche Stimmung dem Bedürfnisse entgegenkommen. Herbergen vertreten die Gastfreundschaft, Armcninstitute das Mitleiden; es schweigt das berauschte Gefühl, es spricht die nüchterne Devise. Es kauft jeder Selbstling für einige Gulden Nächstenliebe, und der blässeste Jndifferentismus steuert gerne eines jener Percentchen bei, woraus sich moderne Begeisterung zusammensetzt. Da werden allerdings die Tugendzwecke leichter und nachhaltiger erreicht; man erhöhet die Nutznießung, aber man schmälert den Triumph der Lugend. Wo man für Gesinnungen Tribute, für Theilnahme Beiträge steuert, — da wird die Menschheit wohl an Werken reicher, aber an Thaten ärmer. Da wird aber

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