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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 29

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 29 (sequence 67)
Language
German
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29stattete sich sogar einst, einen freien Israeliten in den Bann zu thun, weit er seinen erwachsenen Sohn öffentlich gezüchtigt, was, da es leicht den Sohn zur Gegenwehr und Verletzung der Kindespflicht reizen könnte, verboten war. Und jenes Anathem, von einer Sclavin ausgesprochen, wurde drei Jahre aufrecht erhalten, als wäre es dem Munde eines Rabbiners entfahren. Samuel zahlte seiner eigenen Magd die festgesetzte Buße für Ehrenbeleidigung, denn, sagte er, über ihre Arbeitskraft, nicht über ihr Gemüth Hab' ich zu gebieten. Starb ein Heidensclave, so wurde er ehrenhaft bestattet, und nach damaliger Sitte ward das Klagelied am Grabe des Dahingeschiedenen also formulirt: Klagt um ihn, der sich so treu bewährt, von der Hände Fleiß sich so fromm genährt. Und von all den gesetzlichen Normen noch nicht befriedigt, schließt der gelehrte Maimonides seine Abhandlung über Heidensclaven in Judendiensten mit folgenden Worten: »Obgleich das Alles juridisch richtig ist, verlangen höhere Sittlichkeit und tiefere Weltweisheit von jedem Menschen Milde und Erbarmen. Erschwere daher Niemand das Joch seiner Sclaven, kränke sie nicht durch Wort und That; aber er theile mit ihnen jeden Lebensgenuß, lasse ihre Verköstigung der feinigen vorangehen; er beschäme sie nie mit Mund und Hand, denn die göttliche Vorsehung ließ ihre Kraft, nicht ihr Schamgefühl dir dienstbar sein. Fahre sie nicht barsch an, brich nicht in Zorn gegen sie aus; befiehl in Gelassenheit, sprich in Sanftmuth, und höre ruhig ihre Gegenrede an. Denn Grausamkeit und srechpolterndes Anherrschen mag bei heidnischen Götzendienern üblich sein. Abrahams Sprößlingen aber, Israeliten, denen die Gnade göttlicher Offenbarung zu Theil und die milder Satzungen und Vorschriften gewürdigt worden, ist liebevolles Erbarmen angeboren. Darum gehe jeder in jenen Wegen Gottes, wovon es heißt: lieber jedes seiner Geschöpfe waltet seine Liebe. — Und wie wir selber Gnade üben, wird Er uns gnädig sein.«

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