Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 59)
- Language
- German
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21 sti'gen die Kelter treten lassen,« dem Raubthier in der Wildniß gleich zu setzen; weiß er doch, daß er ganz im Geist des Volkes seinen Helden also sprechen läßt: »Und streitet mit mir Magd und Knecht, wie könnt' ich kränken je ihr Recht; was thät' ich, würd' sich Gott erheben, wie sollt' ich, heischt ers, Rechnung geben? Ihr Schöpfer ist er wie der meine, ist unser aller Quelle doch die eine.« — Dieser ursprünglich angeborne Sinn für Menschenwerth und Würde, wie er schon in den ersten, naiven Zuständen der Ursamilien der Hebräer sich kundgegeben, ward gar bald aus seinem stillen Frieden aufgescheucht, als die Wogen der Geschichte daherbrausten, und der Stamm zu einem Volke angewachsen war. Da erfuhren die Juden nur zu bald an sich selber, wie weit eine überbildete Mitwelt bereits über sie hinaus — zurückgegangen war. Das Volk, das unter Träumen von Duldung und Gleichberechtigung grvßgewachsen war, büßt seinen ersten Tritt auf den Boden der Geschichte mit der eigenen Knechtschaft im Aegypterlande. Und dennoch ist die erste Rache, die es, kaum befreiet, dafür hat ausgeübt, die Unterwerfung unter jenes Zehngebvt, das zuerst dem Sclaven seine Sabbatruhe sichert, und dann erst von Verehrung der Eltern spricht. Gar bald trat zu dieser gleichsam wild und urwüchsig angestammten Tugend der Menschenachtung das besonnene Gesetz regelnd hinzu, und schuf, alle Beziehungen überschauend, die erste Dienstbvtenordnung, welche an Humanität noch bis heute alle Jahrhunderte überragt, und auf die näher einzugehen wir um so weniger unterlassen dürfen, als gerade auf diesem Gebiete unsere Feinde fast noch mehr Gutes, das sie von uns wissen, boshaft verschweigen, als sie uns Böses verleumderisch andichten.